Bitte ein Beast!

Man kann ja nicht immer Hasen machen

Ist schön nicht manchmal ganz schön langweilig? Buckelige Hasen, zickige Ziegen und fettleibige Schafsdamen, die Kuschelmarke sigikid hat sie salonfähig gemacht. Wurden die ersten Kuschelbiester noch misstrauisch beäugt, sind sie mittlerweile heiß begehrt und oft kopiert. sigikid setzt eben gestern wie heute Maßstäbe beim Thema Plüsch.

Alle Wege führen nach Mistelbach. Knapp hinter Bayreuth liegt das kleine Örtchen, an dessen Ortsausgang ein großes rotes Firmenlogo die Geburtsstätte vieler Kuschelcharaktere markiert, die Wiege von „Ach Goood“ und seinen biestigen Mitstreitern. Ein spontanes „Ach Goood“ im positivsten Wortsinn entfährt dem Besucher, wenn er das Glück hat, den kreativen Kopf des Unternehmens nicht nur zu treffen, sondern auch zu sprechen. Axel Gottstein lebt den Firmengedanken. Er führt heute das Unternehmen weiter, das seine Eltern in den 60er Jahren gründeten. Und ganz offensichtlich hat er die sigikid-DNA mit der Muttermilch aufgesogen.
„First Class for Kids“, dieses Motto hat sich Gottstein auf die Fahnen geschrieben und dazu drei Kriterien, die sigikid positionieren: „Wir sind ein Familienunternehmen, wir sind ein internationales Unternehmen und wir sind ein Textilunternehmen.“ Mehr braucht es eigentlich auch nicht, um deutlich zu machen, wo Gottstein herkommt und wo er hin will. Was er will, das vermittelt die sigikid-Produktpalette nachdrücklich – und Axel Gottstein unterstreicht diesen Anspruch: „Das Plüschtier ist für ein Kind die erste große Liebe. Ein Freund fürs Leben, ein Vertrauter, der alle Geheimnisse teilt, der immer für mich da ist. Wer dieses Gefühl in seiner Kindheit nie hatte, der entbehrt etwas ...“
Die Presseverantwortliche Katrin Müller unterstreicht: „Wie oft erreichen uns Notrufe von Eltern, weil Kinder ihre sigikid-Plüschfigur oder ihr Schmusetuch verloren haben und todunglücklich sind! Wir versuchen dann alles möglich zu machen. Wenn das Produkt nicht mehr im Handel ist, die Stoffe aber noch auf Lager, dann fertigen wir auch individuell eines nach.“
Weil sich möglichst viele Menschen, egal welchen Alters, mit „ihrem“ sigikid-Plüschcharakter rundum wohl fühlen sollten, verließen die Eltern Axel Gottsteins die ausgetretenen Pfade und folgten unerschrocken einer mutigen Idee. Eine neue Designsprache wurde kreiert, die anders war, liebenswerter, weniger naturalistisch. Das sigikid-Designteam hörte damit auf, einem Hund oder einer Katze ein möglichst naturgetreues Aussehen geben zu wollen. Es verabschiedete sich vom arg strapazierten Mainstream und blickte hinter die Dinge. Zuerst wurden fortan Charaktere geschaffen – und diesen dann optisch Ausdruck verliehen. In den Neunzigern dann ging man noch einen Schritt weiter: Die Beasts wurden geboren, schräg, cool, einfach außergewöhnlich. Kreative gehen ja gerne ein bisschen spazieren, schauen ein bisschen hierhin und dahin. Vielleicht hörten sie den einen oder anderen Zeitgenossen aus tiefstem Herzen seufzen und dachten: „Ach Goood ist der aber vom Leben gebeutelt!“ Schon war eine Idee geboren, aus einer Idee bald ein Kuscheltier und natürlich, natürlich musste es „Ach Goood“ heißen. Aus vielen Ideen entstand die große Familie der Beasts und hatte ratzfatz eine Fangemeinde, die ihresgleichen sucht.
Denn sind die Geschmäcker bei den Babythemen noch unterschiedlich, die Beasts werden überall geliebt. In Frankreich, in Italien, in Deutschland und Übersee. Wer die Beasts denn eigentlich kaufe, frage ich. „Wir haben drei Käufergruppen“, erläutert Axel Gottstein: „Sammler, die ihre Beasts für sich selbst kaufen. Menschen, die einem Kollegen, Freund oder Familienmitglied, also einem Erwachsenen ein besonderes Geschenk machen. Mehr als 50 Prozent aber, so unsere Erkenntnis, wird für Kinder gekauft. “ Wobei ich angesichts dieser Flut an begehrenswerten Charakteren, die hier in Mistelbach um meine Gunst buhlen, durchaus verstehen kann, wenn Erwachsene mit dem Beasts-Virus infiziert werden. Ich will sie alle! Ach Goood!!
Der kuschelige Bär mit dem lustigen Namen hat übrigens eine besonders große Fangemeinde, die sich auch auf Facebook tummelt. Viele Fans haben für ihre Beasts eigene Facebook-Accounts eingerichtet, verrät Katrin Müller.
www.sigikid.de

 

Veröffentlicht: Mai 2015

„Man kann ja nicht immer Hasen machen“

Annika Hansen meint es ernst. Das mit den Hasen und ihre Leidenschaft für die Beasts. Seit mehreren Jahren ist die Designerin nun für sigikid tätig, keinen Tag hat sie bereut. Sie ist Beasts-Spezialistin und das lebt sie aus. Ab und zu eine Diskussion mit dem Boss, der seine ganz eigenen Vorstellungen hat, der Namensgeber für die meisten Charaktere ist und der ebenso inspiriert wie kritisiert. Die sigikid-Designerinnen spazieren mit offenen Augen durch die Welt. Mal ist es ein Thema, mal ein Stoff, ein Materialmix, ein besonderer Plüsch, der dem Designteam den „göttlichen Funken“ für einen neuen Charakter eingibt, es kann aber auch sein, dass ein Beast „vom Markt fast erzwungen wurde“... Sie erinnern sich, ach ja ... Ach Goood … Bei ihm gab es wie bei einigen seiner Namensvettern zwar Diskussionen um den fränkischen anmutenden Namen, man will ja schließlich als Global Player überall verständlich sein, aber wer sagt denn eigentlich, dass Fränkisch nicht eines Tages zur Weltsprache avanciert? Ach Goood wär das schön!
Die Beasts, so empfindet es Hansen, entstehen mit jedem Entwicklungsschritt, sie kommen quasi „auf die Welt“, entwickeln ein Eigenleben und dann haben sie plötzlich „ihren Namen“.
Das kann Dörte Kelm nur unterstreichen. Die Designerin, die eigentlich aus dem Modebereich kommt, hat sich in den Jahren, in denen sie für sigikid tätig ist, ihrer „Königsdisziplin“ angenommen – Kelm designt Accessoires und Taschen – konzipiert und appliziert sie liebevoll bis ins kleinste Detail. Was den „Zeitgeist“ angeht, taucht sie manchmal in ihr altes Leben ab und spaziert über Modemessen oder die Stoffmesse in München. Das spürt man an der Kollektion, sie ist frisch, trendig, tragbar und kindgerecht. Bei 500 Neuheiten pro Halbjahr wird es den Damen in der Designabteilung nicht langweilig. sigikid hat es geschafft. Der Status bei den Promis ist hoch. Nicht nur Til Schweiger ist bekennender Beasts-Fan. Die originellen Kameraden hatten auch schon Filmrollen, beispielsweise in Dagtekins Kultstreifen „Fack ju Göhte“ oder in Schweighöfers „Der Nanny“. Bühne frei also für viele weitere Kuschelgefährten!

Auf den Hund gekommen? Nein, Dani Dandy ist ein Charmeur der ganz besonderen Art!

Sammlerin Cinzia Verna, die nicht genug Beasts kriegen kann

Frau Verna, erzählen Sie mal, wie das war, als Ihnen dieser räudige Hund begegnete?
Ich wohne seit neun Jahren in München, stöbere leidenschaftlich gerne in Spielzeugläden und lasse mich von Kuscheltieren verzaubern. Damals kannte ich die Beasts noch nicht, aber dann stand auf einem Regal ein außergewöhnliches Tierchen … Sein trauriger Hundeblick hat mein Herz im Nu erobert, kurz, es war um mich geschehen. Is Mia Fad, der Straßenköter, musste sofort mit und dieser zottelige Hund bereitet mir noch nach all den Jahren ganz viel Freude!

Und dann hatten Sie den Beast-Bazillus?
Ja, ich bin ein echter Beasts-Fan geworden und meine Beasts-Familie wächst jedes Jahr. Ich warte immer total gespannt auf die Beast-Neuheiten und habe total viel Spaß mit diesem schönen Hobby.

Wie viele dieser haarigen Beaster haben Sie mittlerweile?
Mittlerweile habe ich 86 Beasts in meiner Kuschelfamilie.

Gibt es Lieblinge?
Ja es gibt immer wieder Lieblinge. Zum Beispiel die Mountain Mama. Diese riesige Bärin mit dem zerzausten Fell ist eine meiner Favoriten geworden zusammen mit meinen zwei alten Beasts-Affen, da ich einfach Plüschaffen liebe. Dann gibt es immer ein paar Lieblinge, die mit auf die Reise kommen, aber die wechseln sich von Reise zu Reise ab. Auf meinem letzten Italien-Trip durften ein Erdmännchen und ein Löwe mitfahren.

Haben die Beasts je nach Charakter Aufträge oder Jobs zu erfüllen in Ihrem Alltag?
Es gibt einige Beasts, die immer gut drauf sind und die benötige ich oft in meinem öden Büroalltag. Zuletzt hilft mir die Müsli Maus, einige langweilige Arbeitsaufgaben zu meistern. Ansonsten sind andere Beasts besonders anhänglich und die verlangen ab und zu Kuscheleinheiten. O.K. sie wissen ganz genau, dass ihr weiches Fell einfach unwiderstehlich ist!

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