Bleibende Werte

Käthe Kruse

„Die Hand geht dem Herzen nach, denn nur die Hand kann erzeugen, was durch die Hand wieder zum Herzen geht.“ Dieser Kernsatz der Firmengründerin spiegelt gestern wie heute wie morgen die Unternehmensphilosophie der Käthe Kruse Manufaktur wider. Getreu diesem Motto fertigt man in Donauwörth seit über 100 Jahren Puppen und Babyspielzeug. Nie waren diese Werte so wichtig wie heute: Vertrauen, Qualität und Sicherheit bestimmen die Glaubwürdigkeit der Marke, der einzigartige Stil, die hand-gefertigten Details und die hohe Wertigkeit machen das Unternehmen zum State of the Art in der Spielwarenbranche.

Als Käthe Kruse für ihre kleine Tochter Maria eine Puppe aus einem Kartoffelkopf fertigte, ahnte sie noch nicht, dass Babys und Kleinkinder in ihren Schmusetüchern treue Begleiter finden würden. Die Unternehmerin war von Anfang an getrieben von ihrem hohen Anspruch an Design und Qualität. Das sind auch heute noch die Maximen der Marke: Eltern, Großeltern und Schenkende, die ein Käthe Kruse-Produkt erwerben, suchen das Beste, das Besondere. Das, was nicht jeder hat. Der Name Käthe Kruse steht unangefochten für einen hohen Standard. Die Produkte, die dieses Label tragen, orientieren sich an den Bedürfnissen der Kinder. Sie fördern deren Kreativität und Fantasie genauso wie das Sprachvermögen und die Kommunikation. Käthe Kruse hat in ihren Anfängen ein Versprechen gegeben, das das Unternehmen auch heute noch hält. Die Produkte stehen sinnbildlich für Liebe, Geborgenheit und Nestwärme. Für das, was wir unseren Kindern und Kindeskindern mitgeben möchten. Im Jahr 1905, zu einer Zeit, in der Frauen noch nicht einmal geschäftsfähig waren, begann Käthe Kruse Spielwarengeschichte zu schreiben. Auf ihre eigene, ganz besondere Art. Ihr unternehmerischer Mut und ihre Kreativität ließen sie einen Weg gehen, der den ersten Marken-Musterprozess der Branchengeschichte möglich machte. Auch damit setzte Käthe Kruse Zeichen. Die Lebensgeschichte dieser ungewöhnlichen Frau wurde mehrfach dokumentiert und schließlich im Jahr 2014 verfilmt. Das Unternehmen hat seine Einzigartigkeit behalten, obwohl es einer wechselvollen Geschichte unterworfen war. Seit 2013 gehört Käthe Kruse zur Hape-Firmengruppe. Die Werte bleiben, dafür steht der Unternehmer und Mensch Peter Handstein.

Sie gewann den ersten Urheberrechtsprozess in der Geschichte der Spielwarenbranche und verteidigte damit ihr geistiges Eigentum und ihre bereits damals als hochwertig geltenden Puppen erfolgreich gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner, den Bing Konzern, der billige Imitate der Käthe Kruse Puppen auf den Markt brachte. Sie setzte damit Zeichen für die gesamte Branche und positionierte sich in einer Zeit als emanzipierte Frau, in der Unternehmerinnen nicht einmal voll geschäftsfähig waren. Käthe Kruse war viel mehr als nur die „Puppenmutter“, sie war Künstlerin, Unternehmerin, und Mutter – eine Frauengestalt, die Zeitgeschichte schrieb.
Nicht erst durch die Verfilmung ihres Lebens gerät Käthe Kruse in den Fokus der Öffentlichkeit, die Marke gehört gestern wie heute zu den Premiumbrands der Spielwarenbranche.
Seit 2013 gehört Käthe Kruse zur Hape Holding, einem der weltgrößten Hersteller von Spielwaren. Sibylle Dorndorf sprach mit Hape-Gründer Peter Handstein über die Power, die Positionierung und die Perspektiven dieses großen Namens, der in über 100 Jahren Geschichte schrieb. Das Ergebnis: eine fast philosophische Betrachtung und ein viriler Beweis dafür, dass Käthe Kruse „in den besten Händen“ ist.

Herr Handstein, ich gehe davon aus, dass Sie in Ihrer Kindheit mit der Marke Käthe Kruse eher weniger Kontakt hatten. Wann und warum fiel die Entscheidung, das Unternehmen zu kaufen?
Ich habe das Buch gelesen. Und nachdem ich es zugeklappt hatte, wusste ich, dass ich diese Marke unterstützen und mich für sie engagieren möchte.

Also eine absolute Bauchentscheidung?
Ja, aber ist das etwas Negatives? Ich habe die Ideale dieser Marke gespürt. Im Übrigen denke ich, man muss sich als Unternehmer auf mehrere Entscheidungskriterien stützen, wenn man eine Investition tätigt. Dazu gehört auch die emotionale Komponente, die man einer Marke entgegenbringt, denn die deckt sich oft mit dem, was auch Verbraucher der Marke gegenüber empfinden.

Was hat die Marke Käthe Kruse, was die meisten anderen Marken nicht haben?
Eigentlich müsste ich jetzt Ihre Leser hierher nach Donauwörth einladen, denn hier spürt man den Spirit dieser Marke ganz deutlich. Ich erinnere mich, als ich das erste Mal durch das Unternehmen geführt wurde, erlebte ich eine absolute Entschleunigung. Das war für einen Vielflieger und „unruhigen Geist“ wie mich eine ganz elementare Erfahrung. Ich nahm Puppe 1 in die Hand, sah den Designern, den Näherinnen und Stopferinnen bei der Arbeit zu, blickte unserem Künstler beim Bemalen der Puppenköpfe über die Schulter. Besuchte unsere „Puppenklinik“ … und ich wusste: Die Faszination dieser Marke ist ungebrochen, das kann keiner in der Welt so gut wie wir, das ist ein Wert in unserer schnelllebigen Zeit, den es unbedingt zu erhalten und neu zu definieren gilt!


Nennen Sie drei der Säulen, die den Namen Käthe Kruse stützen und tragen?
Das sind ganz klar: Beständigkeit, Tradition und Werthaltigkeit.

Käthe Kruse ist ein fourth Generation Toy, davon können andere Marken nur träumen. Bisher, so scheint es, hat man diesen Vorteil kaum ausgespielt ...
Das stimmt. Wenn man die letzten zehn Jahre Revue passieren lässt, dann wird klar, wie viele Irrwege diese Marke nehmen musste. Man wollte auf allen Hochzeiten tanzen, das geht bei einer solchen Marke gar nicht. Sie ist in gewissem Sinn elitär, daher muss sie sich gegen Massenprodukte abgrenzen. Das schließt bestimmte Experimente in der Produktpalette von vornherein aus.

Wer, wenn nicht er? Wann, wenn nicht jetzt? Peter Handstein folgte mit dem Kauf der Marke Käthe Kruse einem sicheren Instinkt für das Gute, das Unverwechselbare und Beständige

Also back to the roots?
Ich gebe mir und uns Zeit, will die Marke erst verstehen. Wir werden sicherlich an den Produkten arbeiten, aber immer mit dem Blick auf das Wesentliche, auf das, was Käthe Kruse verkörpert und verkörpern soll: Käthe Kruse ist nicht limitiert auf Puppen, es ist eine Marke, die sehr wertig positioniert ist, die wie eine Währung gehandelt werden muss. Wenn ich heute jemandem beispielsweise ein ganz besonderes Geschenk machen, meine Wertschätzung ausdrücken möchte, dann kaufe ich etwas, das ich mir selbst gar nicht oder nur ganz selten gönne, das könnte, ja, das muss ein Käthe Kruse Produkt sein.

Kommen wir von Käthe Kruse zu Ihrer Person. Der aufmerksame Leser kann aus Ihren Antworten viel über Sie erfahren, mich interessiert, wie Sie sich persönlich einschätzen. Welchen Umständen schreiben Sie beispielsweise Ihren Erfolg zu?
Ich bin erfolgreich, weil ich es anders gemacht habe – und die Fehler, die ich mache, verantworte ich allein. Ich bin mit meinem Unternehmen auf diese führende Position gekommen, weil ich eine Mannschaft um mich positioniert habe, die hervorragend „zusammenspielt“. Ich habe Verteidiger, Torschützen und Mittelfeldspieler. Jeder kennt die Position, auf der er spielt. Ich habe ein Rotationsprinzip eingeführt, um den Mitarbeitern zu zeigen, wie auf anderen Positionen agiert werden muss. Das fördert das Verständnis und die Solidarität untereinander.

Warum sind Sie ausgerechnet nach China gegangen?
Ich antworte Ihnen mal andersherum: Ich bin, anders als die meisten anderen Unternehmer nicht nach Asien gegangen, weil ich dort billigst produzieren wollte. Ich habe den Arbeitern von Anfang an nicht nur meinen Respekt, sondern auch gutes Geld angeboten, und dafür habe ich Loyalität, gute Arbeit und hohes Engagement erhalten. Ich hatte nie ein Problem, Arbeitskräfte zu finden und an mein Unternehmen zu binden. Im Gegenteil: Meine Arbeiter bringen ihre Familien mit und wir versuchen, auch für sie Stellen zu finden. Die Ausbeutung, die in China passierte, musste eines Tages zu einer systemimmanenten Implosion führen. Letztlich haben uns die Spielwarenrückrufe sogar geholfen, diese Missstände aufzudecken und zu beseitigen.

Gutes Spielzeug kann also durchaus auch aus China kommen … Wie definieren Sie persönlich diesen fast schon inflationär verwendeten Begriff?
Zunächst einmal: Gutes Spielzeug kann überall dort hergestellt werden, wo Menschen respektiert, gut behandelt und anständig bezahlt werden. Und wo gute Materialien verwendet, wo Ressourcen geschaffen werden und wo eine nachhaltige Produktion und Herstellungsweise zugrunde gelegt wird.
Gutes Spielzeug erkenne ich, wenn ich Kinder beim Spielen beobachte. Wie lange spielen sie damit, wie oft nehmen sie es wieder zur Hand? Wie viel Inhalt „legen“ sie in ihr Spiel …
Es ist relativ leicht, gutes Spielzeug von schlechtem zu unterscheiden, wenn man die Kinder im Auge behält.

Herr Handstein, ich bedanke mich für diesen interessanten Einblicke
www.kaethe-kruse.de

Der Film: Ein Name bekommt ein Gesicht

Als uneheliche Tochter einer Näherin hat die junge Katharina Simon keine rosigen Zukunftsaussichten. Doch in der zielstrebigen Frau schlummern ungeahnte Talente. Mit 17 Jahren debütiert sie mit großem Erfolg als Schauspielerin am Berliner Lessing Theater. Die Welt liegt ihr zu Füßen, als sie auf der Premierenfeier den Künstler Max Kruse trifft. Die beiden werden ein Paar. Als der Bildhauer keine Käufer mehr für seine Skulpturen findet, ergreift Käthe Kruse die Flucht nach vorn. Zusammen mit ihrer Mutter zieht sie auf den Monte Verità im Tessin, eine Künstlerkolonie, in der alternative Lebensformen erprobt werden. Tochter Maria wünschte sich eine Puppe. Käthe trug diesen Wunsch weiter an Max. Doch Max Kruse schrieb zurück: „Ick kofe euch kene Puppen, macht euch selbst welche“. Das war der Wendepunkt in ihrem Leben. Die Presse feierte Käthes einzigartige Puppen. Als schließlich der Einkäufer von FAO Schwarz in USA die ersten 150 Puppen bestellte, eröffnete Käthe Kruse eine Manufaktur, um die Puppen nach ihren Qualitätsvorstellungen zu produzieren. Als der mächtige Spielzeugfabrikant Bing Käthes Erfolgsmodell kopiert – und seine maschinell gefertigten Billigprodukte auch noch mit dem Slogan „Imitation der Käthe Kruse Puppe“ bewirbt –, droht ihrer Manufaktur das Aus. Doch Bing ahnt nicht, was es heißt, sich mit Käthe Kruse anzulegen …
Der Stoff, aus dem die Träume sind: Der Film Käthe Kruse zeigt die Lebens- und Schaffensgeschichte einer für damalige Zeiten ungewöhnlich emanzipierten Frau – und er dokumentiert auf einzigartige Weise den Spirit der Marke.
Die Produzenten Frank Meiling und Sharon von Wietersheim standen Sibylle Dorndorf Rede und Antwort.

Frau von Wietersheim, Herr Meiling, die meisten Menschen bringen den Namen Käthe Kruse mit der Puppenmarke in Verbindung, die sie geschaffen hat. Was reizte Sie als Produzenten, ihr Leben zu verfilmen? Was fasziniert an dieser Frau?
Käthe Kruse war eine beeindruckende Frau. Sie ging ihren eigenen Weg, war offen für Neues, ihrer Zeit weit voraus und kämpfte für ihre Idee. Je mehr wir über sie recherchiert hatten, desto mehr zog sie uns als Person in ihren Bann. Besonders beeindruckend finden wir, dass sie – und das als Frau, die damals ja noch das Einverständnis ihres Mannes benötigte – den ersten Urheberrechtsstreit der Spielwarenbranche gewann. Sie war eine „Löwin“. Ganz selbstverständlich vereinte sie Familie und Beruf. Ihre Lebensgeschichte trifft heute noch den Nerv der Zeit. 

Als Produzenten müssen Sie bei der Herstellung eines Films auch daran denken, was er „einspielen“ kann, geht man „auf Nummer sicher“, wenn es um die Auswahl des Stoffes geht?
Wichtig ist, dass uns eine Geschichte überzeugt. Nur wenn wir selbst bewegt sind, glauben wir auch, dass ein Film erfolgreich sein kann.

 

 

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