Spielwaren

Im Wandel der Zeit

Die Lust am Spielen ist dem Menschen angeboren. Der Spieltrieb gibt uns die Chance, uns selbst und unsere Umwelt durch das Konzept von Versuch und Irrtum kennenzulernen. Die Zeit, die Kinder mit Fantasieren, Toben, Knobeln und Bauen verbringen, hilft ihnen, sich motorisch, sozial, kreativ und intellektuell weiterzuentwickeln. Sibylle Dorndorf sprach mit Katja Navarra über die Auswahlkriterien für gutes Spielzeug und ihre Webseite The Better Play.

Die Psychologin Katja Navarra und ihr Team haben mit The Better Play ein Portal entwickelt, das bei der Spielzeug-Suche hilft, aber auch Inspirationen liefert für gutes, pädagogisch wertvolles Spielzeug

Frau Navarra, was ist The Better Play?
Wir sind ein Online-Marktplatz für gute, pädagogisch wertvolle Spielsachen. Wir verstehen uns als Ort der Inspiration für gutes Spielzeug und wollen unseren Besuchern helfen, schnell und unkompliziert ein passendes, hochwertiges Spielzeug zu finden. Nicht nur irgendein Spielzeug, sondern eben, „das bessere Spielzeug“ – daher auch der Name.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie The Better Play gestartet haben?
Es hat alles damit angefangen, dass ich jede Weihnachten aufs Neue Mühe hatte, für meine beiden kleinen Nichten ein passendes Geschenk zu finden. Die überfüllten
Spielwarengeschäfte waren mir ein Graus. Nach zweistündiger Suche bin ich letztlich nur selten fündig geworden. Zudem störten mich die oft nach Mädchen und Jungs getrennten Regale.
Vor knapp zwei Jahren kam uns dann die Idee, online einen Marktplatz speziell für qualitative hochwertige Spielsachen zu lancieren. Wir hatten dabei die Vision, in unserem Service dieselben positiven Entwicklungen in den Bereichen Nachhaltigkeit oder Fair Trade aufzugreifen, wie sie in anderen Branchen wie zum Beispiel im Lebensmittelhandel bereits seit Längerem im Gange sind. Wir stehen noch ganz am Anfang, wollen uns aber in Zukunft genau dahin entwickeln.

Wer steht hinter dem bunten Logo?
Meine Partnerin und ich haben The Better Play letztes Jahr initiiert und uns gleich zu Beginn mit einem Entwickler zusammengetan, der die Seite programmierte. Heute sind wir ein Team von digitalen Spezialisten aus den Bereichen Produktmanagement, Online-Marketing und IT. Ich bin Psychologin und kümmere mich um die Kommunikation und die Inhalte der Seite.

An wen richtet sich Ihre Website?
Eltern, Großeltern und alle, die gerade auf der Suche nach einem Geschenk für ein Kind sind. Wir richten uns aber auch an Spielzeughändler, die Interesse an einer Partnerschaft haben und ihre Produkte auf unserer Seite präsentieren wollen. Wie erwähnt, möchten wir in Zukunft mehrheitlich ökologische und nachhaltige Spielsachen anbieten und mit Shops zusammenarbeiten, die speziell darauf spezialisiert sind.

Auf Ihrer Seite steht „Kein Gender Marketing – Spaß für Alle“ – was hat es damit auf sich?
Uns war von Beginn an klar, dass wir auf unserer Seite keine Vorschläge speziell für Jungen oder Mädchen machen würden. Wir glauben daran, dass Kinder die Freiheit haben sollten, mit dem zu spielen, was sie inspiriert. Ganz egal, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Ich finde es erstaunlich, wie stark die rosa/blau Trennung in der Spielzeug- oder auch Kinderkleiderabteilung Einzug hält. Davon versuchen wir uns bewusst abzugrenzen.

Sie haben ja kurz vor Weihnachten eine spannende Recherche zu den weltweit beliebtesten Spielsachen der vergangenen zwölf Jahrzehnte präsentiert. Wie sind Sie auf diese Auswahl gekommen?
Spielsachen können Kindern helfen, die Welt besser verstehen zu lernen. Für uns war es stets spannend zu verstehen, wie und warum Spielsachen die kindliche Entwicklung fördern können. Uns interessiert insbesondere auch, welche Rolle Kultur und Gesellschaft dabei spielen, beziehungsgweise inwiefern sich der geschichtliche und gesellschaftliche Kontext auch in der Spielzeugindustrie widerspiegelt.
Im Gespräch mit unserer PR Agentur kam dann die Idee auf, Spielzeug im Wandel der Zeit etwas genauer zu analysieren. Womit spielten Kinder zur Zeit unserer Groß- und Urgroßeltern? Womit haben wir selber gespielt? Die Spielsachen der jeweiligen Epochen geben interessanten Einblick in die Trends und Weltbilder, in denen Kinder aufwachsen. Die durchgeführte Recherche basiert zum einen auf Informationen aus Fachliteratur und Zeitungsartikel und zum anderen auf der Untersuchung von Google Suchanfragen. So sind wir auf eine spannende Übersicht der beliebtesten Spielsachen der letzten 120 Jahre gelangt.

Was war Ihr liebstes Spielzeug?
Da gab es einige. Ich bin in den 80er und frühen 90er Jahren aufgewachsen und denke, die Lego Bausteine gehörten tatsächlich auch zu meinen Lieblingen. Aber insgeheim war es vielleicht auch die He-Man Spielpuppe meines großen Bruders.

Vielen Dank für das interessante und informative Gespräch, Frau Navarra.

thebetterplay.com

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Spielsachen, die Generationen begeisterten

 

1900er – Wachsmalstifte

Fast jedes Kind startet seine ersten Malversuche mit den farbigen Wachsmalern. Sie ermöglichen schon Kleinkindern ihre Fantasien, Ideen und Gedanken zu Papier zu bringen. Gleichzeitig trainiert das Malen die motorische Koordination der beiden Hände.

1910er – Teddybär

Der Stoffbär begeistert seit mehr als 100 Jahren und auch heute noch teilen 38 Prozent der jungen Erwachsenen ihr Bett mit einem Plüschtier. Die Entwicklung des klassischen Teddys geht auf die Spielzeugherstellerfamilie Steiff zurück. Plüschtiere bieten Kindern Sicherheit und unterstützen sie, Mut und Selbstvertrauen zu gewinnen.

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1920er – Soldatenfiguren

Die kleinen Männchen laden dazu ein, in die eigene Fantasie einzutauchen und in komplizierten Kampfsituationen, Konflikte zu lösen und Kompromisse einzugehen. Sie wurden in den USA mit dem Ersten Weltkrieg populär. In Deutschland dagegen in den 30er Jahren, wo das Regime sie zu Propagandazwecken missbrauchte.

1930er – Puppe/Shirley Temple Doll

Die der Kinderschauspielerin Shirley Temple nachempfundene Puppe kam 1934 auf den Markt und wurde sofort zum Kassenschlager. Durch das Spiel mit einer Puppe in Form eines Neugeborenen ahmt das Kind die erfahrene Bemutterung nach. Im engeren Sinne lernt das Kind bereits in diesem Moment die Lust darauf, Verantwortung zu übernehmen.

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flic.kr/p/9NW14H Truck by Warren Elsmore, CC BY-ND 2.0 CC BY-ND 2.0

1940er – Lego

Das Unternehmen, das die ersten Prototypen der bunten Steine 1949 entwickelte, ist heute der größte Spielzeughersteller der Welt. Beim Zusammenbau der vorgefertigten Sets trainieren Kinder ihr räumliches Vorstellungsvermögen. Die verschiedenen Farben, Formen und Größen der Lego Teile regen die Kreativität an.

1950er – Mr. Potato Head

Die Gestalt in Form einer Kartoffelknolle war das erste Spielzeug für das im US-amerikanischen Fernsehen in einem eigenen Spot geworben wurde. Schon beim einfachen Zusammenbau der Figur trainieren Kinder ihre Feinmotorik.

flic.kr/p/5sUUGd Mr. Potatoe Head by Casey Fleser, CC BY 2.0

flic.kr/p/opAsP6 The Jet Set! – by RomitaGirl67, CC BY 2.0

1960er – Barbie

Kaum ein Spielzeug hat das westliche Schönheitsideal so sehr geprägt wie die Barbiepuppe. Obwohl der Hersteller ihr im Jahr 2003 eine breitere, natürliche Hüfte verlieh, kam er schon zwei Jahre später wieder zur alten Körperform zurück. Seit Barbie in den 1990er Jahren erstmals auch in verschiedenen beruflichen Settings angeboten wurde, erfahren Kinder die Puppe nun auch als Ärztin, Pilotin oder Polizistin.

1970er – Hot Wheels

Ob Sportwagen oder Schaufelbagger, mithilfe der Miniaturausgaben lernen Kinder nicht nur die Vielfalt der Fahrzeuge kennen, sondern trainieren dabei unbewusst, sich auf Details zu konzentrieren und die Unterschiede zu entdecken. Die Miniaturautos sind auch ein beliebtes Spielzeug für Erwachsene und einzelne Exemplare haben inzwischen hohen Sammlerwert.

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1980er – Cabbage Patch Kids

Die pausbackigen Stoffpuppen verdanken ihren Erfolg wohl auch einer cleveren Marketingstrategie. Die Kampagne zielte darauf ab, die Puppe nicht einfach zu kaufen, sondern betonte besonders den Aspekt, die Figur zu adoptieren. Auf diese Weise machte sich der Hersteller den Mutterinstinkt, der beim Puppenspielen eine Rolle spielt, zu nutze.

1990er – Game Boy

Die erste tragbare Spielekonsole der japanischen Firma Nintendo kam 1989 auf den Markt und wurde seitdem weltweit 200 Millionen Mal verkauft. In Bezug auf die mangelnde Interaktivität und die fehlende körperliche Aktivität musste der Game Boy anfangs viel Kritik einstecken. Doch mit der Zeit zeigten Studien, dass Videospiele auch positive Effekte auf Kinder haben können. Auf sozialer Ebene schafft die Kommunikation über Videospiele eine gemeinsame Basis für Kinder, beispielsweise beim Schließen neuer Freundschaften.

flic.kr/p/dM17U2 Good Old Times by BobvdK, CC BY 2.0

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2000er – Xbox/Wi/Playstation

Während Xbox auch von Kindern gespielt wird, ist der durchschnittliche Xbox-Spieler tatsächlich bereits 31 Jahre alt. Die Nintendo Wii spricht von Haus aus eine breite Zielgruppe an. Das Videospiel wurde derweil bereits für physiotherapeutische Rehabilitation, zur Verbesserung der Haltung bei älteren Menschen und als alternativer Ansatz zur Gewichtsabnahme eingesetzt.

2010er – Tablet

Als Multifunktionsgerät bildet das Tablet eine Plattform für tausende, ganz unterschiedliche Spiel- und Lern-Apps. Durch seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und leichte Bedienbarkeit, hat es sich als so wertvoll erwiesen, dass zahlreiche Schulen auf der ganzen Welt ihre Schüler mit den tragbaren Computern ausstatten.

Umap Ipad batean by Codesyntax, CC BY SA-2.0

flic.kr/p/GgmHpS LEGO Harry Potter by Brickset, CC BY 2.0

2018 – Lego Harry Potter World

Die Welt rund um Harry Potter hat im Jahr 2018 einen erneuten Hype erfahren und lässt nicht nur Kinder, sondern auch die Herzen von Erwachsenen höher schlagen. Der Baukasten „Schloss Hogwarts“, der für eine Altersklasse ab 16 Jahren empfohlen wird, zeigt, dass Spielen als Beschäftigung schlussendlich keine Frage des Alters ist.

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