Elternblogger als Meinungsmacher

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Wer im Netz nach Elternblogs sucht, bekommt jede Menge Treffer. Immer mehr Familien tauschen sich online mit anderen Eltern aus, berichten aus ihrem Alltag und geben Tipps über neue Produkte. Viele Blogger und Youtuber haben sich längst zu Meinungsmachern bei Eltern entwickelt und sind als Markenbotschafter für Unternehmen interessant. Aber mit wem ist eine Zusammenarbeit sinnvoll? Wie filtere ich die richtigen Partner für mich heraus? Wie gehe ich eine solche Kooperation an? Ulrica Griffiths und Martina Ganzbuhl von der Kommunikationsagentur Griffiths Consulting geben einen Überblick über angesagte Elternblogs und Tipps, wie man ein erfolgreiches Influencerprojekt umsetzt.

Kooperationen mit Bloggern lohnen sich, findet Martin Boyle, General Manager des Kinderwagenherstellers iCandy. Ob Test im Blog oder Post auf Facebook, der Hersteller erhält ein ehrliches Feedback und gleichzeitig Publicity.

 81 Prozent der deutschen Mütter kaufen Produkte für ihr Kind im Internet. Zu diesem Ergebnis kam das Münchener Marktforschungsinstituts iconKids & Youth in einer Studie vom Februar 2015. Mütter kaufen gern im Internet ein – das geht schließlich auch noch abends bequem von zu Hause aus, wenn die Kinder im Bett sind. Da liegt es nahe, sich die Inspiration für neues Spielzeug, Kleidung oder Kinderzimmer-Einrichtung im Web zu suchen, zum Beispiel auf Blogs, Instagram, YouTube oder Pinterest. Die Tipps stammen dabei meist von anderen Eltern, die mit den Wünschen, Sorgen und Unsicherheiten vertraut sind. Besonders beim ersten Kind herrscht oft Unsicherheit, welche Produkte sinnvoll sind und was sich bewährt hat. Blogberichte sind ausführlich, authentisch und emotional und somit ein toller Ratgeber. Blogger testen die Produkte zusammen mit ihren Kindern und berichten ehrlich, was taugt oder nicht.
„Blogger berichten nicht kommerziell. Sie sind authentisch und betrachten Produkte mit den gleichen Augen wie unsere Zielgruppe – mit denen fürsorglicher Eltern“, weiß Katrin Brabanski, Senior Marketing Manager beim Spielwarenhersteller Tomy. Für Tomy bildete Griffiths Consulting einen exklusiven Kreis an Elternbloggern. Als offizielle Tomy Toy Tester probierten sie regelmäßig Neuheiten aus. Dafür entwickelte der Hersteller ein eigenes Partner-Logo, das die Eltern auf ihren Seiten nutzen. So war Tomy das ganze Jahr hinweg in wichtigen Blogs präsent. Die Agentur stand im ständigen Austausch mit den Bloggern, wertete das Feedback zu den Produkten aus und bearbeitete Rückfragen und Anregungen.

Nähe zum Leser
Erfolgreiche Blogs stechen mit gutem Schreibstil und ansprechenden Bildern aus der Masse hervor, was sich auch bei ihren Leserzahlen bemerkbar macht. Ein beliebter Blog wie Baby, Kind & Meer von Mari hat über 230.000 eindeutige Besucher im Monat. Auf die Frage nach ihrem Erfolgsgeheimnis antwortet sie: „Ich denke, das ist in erster Linie meine Authentizität. Ich nehme kein Blatt vor den Mund und schreibe genauso, wie ich denke und fühle. Außerdem gewähre ich viele Einblicke in unser Familienleben. Ich versuche auch regelmäßig auf die Wünsche und Ideen der Leser und Zuschauer einzugehen. Mein Blog ist eine sehr große Leidenschaft. Ich denke, die Leser spüren das.“

Blogger müssen topaktuell sein
Abwechslung, Spannung und neue Ideen sind gefragt. Und das am besten täglich auf den verschiedensten Social-Media-Kanälen, denn die Fans möchten auf dem Laufenden sein. In Blogs steckt viel Herzblut und Arbeit, sowohl bei rein privaten Einträgen als auch bei Kooperationen mit einem Unternehmen. Viele Blogger können mittlerweile unter zahlreichen Anfragen auswählen. Unternehmen müssen folglich aus der Masse herausstechen, wirklich zum Blogger passen und dessen Arbeit anerkennen. Blogger sind sich ihres Einflusses auf ihre Leser bewusst, ihnen einfach mal ein Produkt kostenlos zuzusenden, reicht bei vielen längst nicht mehr. Schafft die Zusammenarbeit einen Mehrwert, sollten Unternehmen das mit einem entsprechenden Honorar entlohnen.

Welcher Blogger passt nun zu mir?
Für welche Blogger sind meine Produkte interessant? Helfen können hier Kommunikationsagenturen wie Griffiths Consulting, die Experten auf dem Gebiet und gleichzeitig auf die Zielgruppe Familie, Kinder und Jugend spezialisiert sind. Sie können die „richtigen Blogger“ identifizieren, den passenden Ton in der Ansprache finden und attraktive Projekte für Blogger und Unternehmen entwickeln. Der erste Eindruck zählt – das findet auch Leonie vom Mama-Lifestyle-Blog Minimenschlein: „Der Erst-Kontakt zwischen Unternehmen und Bloggern ist absolut entscheidend. Ich habe hier schon Sachen erlebt, das mag man gar nicht glauben. Teilweise recherchieren die Leute nicht einmal den Namen korrekt. Dabei hat jeder Blog ein Impressum und es wäre doch so easy.“ Den Blog lesen und die Themen kennen, ist neben einer korrekten Ansprache unerlässlich für ein erfolgreiches Blogprojekt. „Außerdem sollten Unternehmen zeigen, dass sie sich mit dem Blog beschäftigt haben und argumentieren, warum sie glauben, dass der Blog zu ihrem Produkt oder Unternehmen passt“, meint Leonie.
Auch auf Instagram, YouTube, Snapchat und Co. gestalten Meinungsmacher vielfältige Kooperationen. Janina vom Mama-Lifestyle-Blog Oh Wunderbar postet regelmäßig auf verschiedenen Social-Media-Kanälen und findet: „Neben Facebook ist Instagram eine tolle Plattform für Eltern. Instagram ist Austausch und Inspiration. Und Instagram ist schnell und einfach.“ Neben aussagekräftigen Fotos sind Videos spannend. Janina geht sogar so weit zu sagen, dass Snapchat Instagram irgendwann ablösen wird oder zumindest zu einem Teil ergänzt. „Snapchat ist echt und ungeschönt, live. Diese App ermöglicht einen schnellen Austausch. In kurzen Videos kann der Nutzer Storys kreieren, die für 24 Stunden im Netz bleiben“, so Janina.

Blogs auch für die Daddys
Und die Väter? Lesen sie eigentlich Blogs, bloggen sie selbst? Kai vom Online-Magazin daddylicious meint hierzu: „Wir
schreiben für moderne Väter, die sich intensiv mit der Erziehung ihrer Kinder beschäftigen, sich für die Anschaffung von Produkten interessieren, einen Familienurlaub buchen und eventuell auch ihre berufliche Situation überdenken. Diese Väter interessiert ein vernünftiges und sparsames Familienauto genauso wie der Bericht zum Babyschwimmen oder News zum Elterngeld.“
Einen Unterschied zu Mama-Blogs hat Kai festgestellt: Männer kommentieren weniger als Frauen. Diskussionsbedarf besteht dennoch, denn auf Facebook gibt es bei daddylicious sichtlich Gesprächsbedarf darüber, „wie die Kinder an das Töpfchen gewöhnt wurden oder warum man viel vorlesen sollte.“

Gewinn für beide Seiten
Ob Zielgruppe Väter oder Mütter – eine Kooperation mit Bloggern lohnt sich für Unternehmen in vielerlei Hinsicht. Das findet auch Martin Boyle, General Manager des britischen Luxuskinderwagen-Herstellers iCandy. „Wir sind begeistert über unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Bloggern. Denn sie nehmen sich nicht nur Zeit und machen sich die Mühe, fantastische Bilder zu fotografieren, sondern sie identifizieren sich darüber hinaus auch leidenschaftlich mit unserer Marke. Durch die Kooperation mit Online-Meinungsmachern erhält iCandy ehrliches Feedback und Testberichte, die uns helfen, unsere Reichweite und unsere Zielgruppe ständig zu erweitern.“

www.griffiths-consulting.de

Mari ist dreifache Mama und wohnt an der Ostsee. Auf Baby, Kind & Meer schreibt sie über ihre Erfahrungen und stellt Bastelideen, Rezepte, Kinderkleidung und Spielzeug vor. Mari ist auch auf YouTube sehr aktiv, wöchentlich stellt sie ein Familienvideo online.
www.babykindundmeer.de

Janina ist Mama von zwei Töchtern, Bloggerin, freie Redakteurin und Social Media Beraterin. Ihr Blog Oh Wunderbar ist ein virtueller Ort für moderne Mütter und Frauen, an dem sie sich austauschen und sich gegenseitig bestärken. Janina berichtet über Mode für Groß und Klein, gutes Essen, Reisen, Beauty und ganz viel über das Leben mit Kind.
www.oh-wunderbar.de

Kai lebt mit seiner Patchwork-Familie in Hamburg. Seit 2013 betreibt er mit seinem Kumpel Mark das Online-Magazin daddylicious. Als sie Papas wurden, erschien ihnen im Netz alles zu rosarot. Es fehlte eine Seite, auf der moderne Väter für Väter schreiben. Also stellten sie daddylicious auf die Beine, haben mittlerweile über 42.000 Facebook-Fans und gewannen 2014 den deutschen Preis für Onlinekommunikation. Kai ist auch als Autor für Zeitschriften tätig.
www.daddylicious.de

Leonie hat zwei Kinder und bloggt hauptberuflich. Auf Minimenschlein.de schreibt sie über Schwangerschaft und Geburt, von Baby- und Kleinkind-Themen bis hin zu Mode und Büchern für Teenager. Der Fokus liegt auf besonderen Produkten, schickem Interieur und gesunden Familienrezepten.
www.minimenschlein.de

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