Pokémania

Der digitale Super-Coup?

Seit dem sechsten Juli beobachtet man Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auf ihre Handys starrend beim Monster-Fangen. Unter anderem rund um WLan Hotspots tummeln sie sich, die Pokémon Go Spieler. Die App ermöglicht sogar Teen-Idol Justin Bieber unbemerkt einen Stadtbummel zu machen, denn die von Niantic entwickelte App zieht ihre Spieler in den Bann wie kaum ein Spiel zuvor. Und so manch einer fragt sich: „Was ist hier eigentlich los?!“ Ein 20 Jahre altes Kartenspiel im Augmented Reality Format, das ist los!

Eine App, die via Augmented Reality einen 20 Jahre alten Lizenz-Klassiker neu aufgelegt und damit die Zielgruppe der Sammler und Gamer von damals im Sturm zurückerobert hat. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht! Eine bahnbrechende Idee, die nicht nur die Jugend wieder an die frische Luft bringt, sondern auch Nintendos Marktwert bereits in den ersten vier Wochen verdoppelte, so dass das Unternehmen seinen Konkurrent Sony überholte. Pokémon Go ist in den USA bereits zum erfolgreichsten Smartphone-Spiel aller Zeiten aufgestiegen, hat dabei Dauerbrenner wie Snapchat und Candycrush hinter sich gelassen – trotz negativer Stimmen von Datenschützern. Der eco Verband prophezeite bereits vor dem Launch der App, dass das Thema Augmented Reality weitestgehend unterschätzt wird und weist auf weitere Möglichkeiten in den verschiedensten Bereichen sowie ein Umdenken der Endverbraucher hin. Ein Beispiel: Brettspiele im Format der erweiterten Realität. Doch nicht nur Niantic profitiert von dem großen Erfolg. Auch Unternehmen und Händler, welche die Lizenz in ihrem Portfolio führen, sehen eine Belebung im Markt. Neben der Spielware profitieren auch anderen Branchen. Beispielsweise erwirtschaftet Apple einen Umsatzanteil von 30 Prozent der In-App Käufe. Needham & Company berechnete auf dieser Grundlage ein Umsatzplus von drei Milliarden Dollar in den nächsten zwei Jahren – allein für Apple. Egal ob Hype oder längerfristiger Trend: Die Pokémon Go App ist mit dem Launch in die Geschichte eingegangen und bereitete das Feld für zukünftige Projekte mit neuen Medien und kreativen Realitäten.

Bild: Tomy Deutschland

Mit Pokémon Go zeigt Nintendo, wie analoge und digitale Spielewelten nahtlos miteinander funktionieren: Zunächst war Pokémon ein Videospiel, es folgten Filme und ein ausgeklügeltes Merchandising inklusive Stofftieren. Nach dem Sprung aus der digitalen Welt ins Analoge geht es jetzt wieder zurück. Gleichzeitig nutzen Nintendo und Niantic zeitgemäße Services wie Location-based Services* und Augmented Reality, um Millionen Spieler in ihren Bann zu ziehen. Mit dem Verkauf von Lockmodulen** erschließen sie sich eine weitere Einnahmequelle und machen das Spiel auch für branchenfremde Marketeers attraktiv. Mit dieser Blaupause wird klar, dass Spielwarenhersteller künftig immer analog und digital denken müssen. Ich denke, Pokémon Go wird als Wegbereiter in die Geschichte eingehen.

Harald Summa, Geschäftsführer eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

Zur Übersicht "Leben & Welt"