Babyboom?

Chinas Kinderpolitik

Die chinesische Ein-Kind-Politik gehört seit Beginn des Jahres 2016 der Vergangenheit an. Diese Entwicklung könnte für das Land sowie die Spielwarenbranche ein wichtiger Umbruch sein. Die Sterne stehen gut und prophezeihen einen Anstieg der Geburtenrate. Welche Veränderungen die Zwei-Kind-Politik mit sich bringt, was sich die chinesischen Eltern für ihre KInder wünschen und wie die Zukunft Chinas aussehen könnte, bespricht Priscilla Yeung im Interview mit TOYS Redakteurin Kerstin Krause.

Frau Yeung, die chinesische Regierung hat die Zwei-Kind-Politik im Land eingeführt. Wie wird sich dies Ihrer Meinung nach auswirken und was hat das mit dem „Jahr des Affen“ zu tun?
Nach mehr als 30 Jahren endete Anfang 2016 die Ein-Kind-Politik in China, da wegen der alternden Bevölkerung Kinder für die Zukunft des Landes dringend gebraucht werden. Zu den damit verbundenen Maßnahmen gehört unter anderem, dass die Mütter beim ersten und zweiten Kind jeweils einen verlängerten Mutterschutzurlaub erhalten. Insgesamt geht man in der Folge von 16 bis 17 Millionen Neugeborenen pro Jahr aus. Dazu kommt, dass am 8. Februar 2016 das „Jahr des Affen“ begonnen hat, das für Chinesen als Glück bringendes Jahr gilt. Ein „Baby Boom“ auf dem Festland wird daher erwartet.

Haben sich die Spielwarenhersteller bereits auf diese Nachfrage eingestellt?
Bei einer Umfrage auf der HKTDC Hong Kong Toys & Games Fair im Januar 2016 rechneten die befragten Einkäufer mit einem Anstieg der Nachfrage von 20 bis 30 Prozent. Insgesamt kamen mehr Besucher und Aussteller zur Hongkonger Messe im Januar und Unternehmen wie Leyou, der größte Babyfachhändler auf dem chinesischen Festland, zeigten sich von einem zusätzlichen Nachfrageschub bei Spielwaren und Babyprodukten überzeugt.
Einige Läden und Einkaufszentren auf dem Festland haben zudem bereits mehr Platz für den Verkauf von Kinder- und Babyprodukten sowie für Artikel für werdende Mütter eingerichtet. Ganz im Trend stellte etwa das chinesische Unternehmen Goodbaby International Holdings Ltd. auf der Hongkonger Messe einen neuen Twin-Kinderwagen vor und erhielt zahlreiche Aufträge von Einkäufern vom chinesischen Festland.

Die chinesischen Eltern legen immer mehr Wert auf Qualität. Fragen Sie auch nach Marken „Made in Germany“?
Dank eines höheren Einkommens steigt generell die Bereitschaft junger Eltern, mehr Geld für qualitativ hochwertige und sichere Produkte sowie nachhaltig hergestelltes Lernspielzeug auszugeben. Viele Eltern sind davon überzeugt, dass das Markenkonzept, die Qualität und der internationale Background ausländischer Marken den der einheimischen Produkte übertreffen. Daher haben auch deutsche Marken, die in China generell als qualitativ hochwertig gesehen werden, gute Marktchancen. Neben der Zusammenarbeit im Vertrieb mit lokalen Partnern, die die Vorlieben vor Ort sehr gut kennen, ist auch der Vertrieb über Online-Kanäle eine Option, denn Online-Shopping hat sich zu einem der beliebtesten Shopping-Kanäle in China entwickelt.


Gibt es neben hochpreisigen Produkten auch eine Schiene für weniger "betuchte" Eltern?
Auf dem chinesischen Festland verfügt das Spielwarensegment über beachtliche Ressourcen und auch wenn es noch etwas an starken einheimische Marken fehlt, gibt es doch ein breites Angebot an Spielwaren im unteren bis mittleren Preissegment, deren Nachfrage als stabil eingeschätzt wird. Durch die vermehrte Einbindung von Technologien, wie etwa bei Drohnen, die IP-Entwicklung, die exzellenten Produktionskapazitäten und neue Chancen durch das Internet entstehen zudem mehr erstklassige inländische Marken, die in den nächsten Jahren mit Global Playern auf Augenhöhe sein wollen. Darüber hinaus haben verschiedene Internetfirmen auf dem Festland, darunter Baidu und Tencent, damit begonnen, ihre Stärken gezielt im Spielzeugmarkt einzusetzen.

Sehen Sie einen Trend, der die chinesischen Eltern besonders begeistert und beeinflusst?
Zu den Produkten, die sehr gut nachgefragt werden, gehören Drohnen, Lizenzprodukte aus Animationsfilmen, elektronische Spiele und schnittige, stylische sowie kreative Spielzeuge, die die manuellen Fertigkeiten fördern. Multifunktionalität ist beim Kauf ebenfalls ein Thema. Dagegen gehen Brancheninsider davon aus, dass traditionelle Holzspielzeuge sowie statische und dekorative Spielzeuge weiter rückläufig sein werden. Ein Thema bei jungen chinesischen Mittelklasseeltern ist auch das Modell der „Sharing Economy“. Auf den Spielzeugmarkt übertragen bedeutet dies, dass Eltern Spielzeuge ausleihen und sie, wenn die Kinder das Interesse daran verlieren, zwecks erneutem Verleih zurückbringen können. Welche Akzeptanz ein solches Modell künftig findet, bleibt abzuwarten.

Frau Yeung, vielen Dank für das Gespräch!

www.hktdc.com

Priscilla Yeung, Direktorin Deutschland und Zentraleuropa des HKTDC

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