Faszination Star Wars

Der Hype um den Weltraum-Epos

Natürlich sind es die alles in die Luft jagenden Laserkanonen, die hochkomplexen rasenden Raumschiffe, das Weltall mit seinen Monden, fremden Galaxien und sonderbaren Außerirdischen – eben dieses ganz und gar ungewöhnliche, von der irdischen Welt abgehobene Setting, das den Zuschauer entführt und inspiriert. Star Wars ist all das und noch viel mehr. Es ist eine der größten Sagen der Moderne.

Noch nie wurde ein Film mit so viel Spannung erwartet wie „Das Erwachen der Macht“, Auftakt der neuen Star Wars Trilogie, die am 14. Dezember in die amerikanischen und am 17. Dezember 2015 in die europäischen Kinos kam. Und noch nie hat ein Film so viel Geld in so kurzer Zeit eingespielt. Episode VII brach alle Zuschauerrekorde und bescherte dem Disney Konzern Einnahmen in Milliardenhöhe.
Das Star Wars Fieber hat seit dem Kinostart der allerersten Episode, im Jahr 1977, weite Teile der Weltbevölkerung erfasst und ignoriert dabei geographische und ethnische Grenzen ebenso wie Alter, Beruf, Geschlecht und Bildungsstand. Star Wars berührt und begeistert so viele unterschiedliche Menschen wie keine Geschichte je zuvor. Eines der ganz großen Erfolgsgeheimisse von Star Wars ist natürlich dieses Feuerwerk galaktischen Ideenreichtums, das Star Wars zu Star Wars macht, das dieser Geschichte einen ganz und gar unverwechselbaren Look and Feel verpasst. Daneben ist es aber auch die Mannigfaltigkeit dessen, was die Regisseure George Lucas und dann J.J. Abrams auf die Leinwand gezaubert haben. Und so ist in den sieben Episoden für jeden etwas dabei; für Romantiker ebenso wie für Weltraumphilosophen, für Technikfreaks ebenso wie für Actionfans und natürlich auch für die intellektuelle Elite. Das Philosophie-Magazin widmete dem Star Wars Mythos eine ganze Ausgabe. Darin zerbricht sich die französische Psychoanalytikerin Clotilde Leguil den Kopf darüber, wie viel Ödipus in der Beziehung von Luke und Anakin Skywalker steckt, während der deutsche Philosoph Wolfram Eilenberger die Parallelen zwischen Heidegger und einem Sith Lord untersucht. Und während im Magazin P.M die Machbarkeit der Science Fiction Ideen diskutiert werden, widmen sich die Tageszeitungen eher der Frage, wer denn nun am meisten von diesem milliardenschweren Geschäft profitiert.

Am intensivsten befassen sich aber wahrscheinlich immer noch Jungs ab dem Grundschulalter mit Star Wars, die sich vor allem für die atemberaubenden Weltraumschlachten und Lichtschwertkämpfe erwärmen können. Durch das spezielle Wording, diesem Bibliotheken umfassenden, ausufernden, technikversessenen, detailverliebten Wortschatz, riegeln sie sich hermetisch von der Umwelt, vor allem ihren Müttern ab. Sie schaffen ihre ganz eigene Welt, in die niemand eindringt, der nicht mindestens ein Dutzend mal jede einzelne Episode studiert hat. Es gibt sie, die Star Wars Sprache, dieses codierte, undurchdringliche Konstrukt technischen Wahnsinns, das die Kenner von den Nicht-Kennern trennt. Wer weiß schon was ein AT-AT Kampfläufer ist, eine Transmitterkuppel? Oder schon mal was von Deflektorschildgenerator, Zwillingsblaster, Repulsorluftvehikel gehört? In den am besten studierten Lexika der Welt, den diversen Star Wars Lexika, liest man dann auch allerlei Kryptisches wie: „Separatistische Tri-Droidenjäger und Geiderdroiden feuern düsengetriebene Diskordanzraketen auf den Feind ab. Jede Rakete enthält bis zu sieben Buzz-Droiden, umschlossen von kugelförmigen Gehäusen, die aufspringen und die Droiden im Inneren enthüllen.“ (aus „Star Wars – Lexikon der Helden, Schurken und Droiden“)
Star Wars bedient auch die urmenschlichen Ängste und Fantasien über die Frage, wie das Leben außerhalb der Erde aussehen könnte. Und so tummeln sich eine ganze Reihe wunderlicher Figuren in der Star Wars Galaxis. Zu Weltruhm brachte es vor allen anderen der Jedi Meister Yoda, der grüne, faltige Weise mit der eigensinnigen Satzstellung („viel zu lernen du noch hast“). Natürlich auch der Wookiee Krieger Chewbacca, der als grunzender Copilot von Harrison Ford alias Han Solo durch die Galaxis düst. Unvergessen die kleinen, drolligen Ewoks aus Episode VI. Dass außerirdisches Leben nicht immer den Moralvorstellungen westlicher Industrienationen entspricht, sondern auch bedrohlich sein kann, vermitteln schaurige und gemeingefährliche Fantasiefiguren wie Jabba der Hutt, gefräßiger Obergauner des Planeten Tatooine oder natürlich die Sith Lorde oder Stormtroopers.

Am Ende aber ist es die Seele der Geschichte, die aus diesem hochkomplexen Science Fiction Märchen eine der größten Sagen des Jahrhunderts macht. Die Star Wars Macher spielen die Klaviatur der menschlichen Grundkonflikte: Schurke versus Held, Licht versus Dunkelheit. In Episode VII ging der Kampf Gut gegen Böse in eine neue Runde. Wie es weiter geht, werden die Episoden VIII und IX zeigen, die 2017 und 2019 in die Kinos kommen.
Im immer wiederkehrenden Kampf Gut gegen Böse sind die Fronten klar getrennt. Doch so sehr sich der Zuschauer auf die Transparenz und Beständigkeit dieser Fronten verlassen kann, so wenig ist ihm dies bei den Charakteren möglich. Denn die Protagonisten sind nicht festgelegt; sie wandern zwischen den Fronten, irren im Halbschatten umher, gehen mal im Hellen, mal im Dunkel, entwickeln und verändern sich, bleiben auf der Suche, eben ganz so wie im wirklichen Leben.

(Anya Biberthaler)

Copyright: Disney & Lucasfilm

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Star Wars: Ein Thema, das Generationen beigestert

Im Dezember 2015 erwachte mit dem neuen Star Wars Film nicht nur die Macht, sondern auch die Kritiker. Denn egal ob Fanclubbetreiber, Fachmann, Kenner, Hipster, Geek, Trekkie oder Neuling: jeder Kinosessel ist mit einer ganz persönlichen Erwartung besetzt. So verschieden diese sind, so unterschiedlich sind auch die Kinogänger. Denn die Geschichte des Sternekriegs schafft, was nicht viele Filme vermögen: nämlich gleich drei Generationen in einem Kinosaal zu vereinen.
Für die Filmemacher und Schauspieler ist dies eine große Herausforderung – alle Altersgruppen und jeder Fanstatus wollen befriedigt werden. Während die Jüngsten eventuell noch mit einer mitreißenden Geschichte und tollen Specialeffects begeistert werden können, wachsen die Erwartungen mit steigendem Fan-Alter. Wie eine neue Geschichte kreieren, wenn die alten Charaktere fest in den Herzen verwurzelt sind? Denn hier sitzen die Kinder von heute und damals – wobei besonders Letztere nicht nur mit Popcorn, sondern auch vielen Emotionen auf den Sesseln Platz nehmen.
Denn als 1978 der erste Teil der Star Wars Reihe in den deutschen Kinos anlief, war Deutschland noch in Ost und West geteilt und man blickte mit der ganzen Familie gemeinsam auf die drei laufenden Fernsehprogramme des Röhrengeräts. Der zeitgeschichtliche Hintergrund prägte natürlich auch den Rahmen der Star Wars Reihe, weshalb heute ganz andere Augen auf die Filme blicken als zu damaligen Zeiten. Die Generationsgrätsche scheint Disney und Lucasfilm gelungen zu sein. Mit Genre-unbekannten Schauspielern für das neue Erlebnis und alten Bekannten für die Fans von damals mischten die Filmemacher ein Erfolgsrezept für Jung und Alt, das nicht nur den Lizenzmarkt fleißig ankurbelt, sondern auch Kinder aller Generationen begeistern kann. Mit der Ankündigung eines neuen Star Wars Films in jedem der folgenden Jahre, kann gespannt verfolgt werden, in welche Richtung die Reise durch das Universum weiter gehen wird.

 

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