Die Spielqualität zählt

– ob mit oder ohne Elektronik

Gesellschaftsspiele gehören zum Kulturgut. Was passiert, wenn diese Klassiker auf neue, technologische Möglichkeiten treffen? Zahlreiche Hersteller treten bereits den Beweis an: Belebende Synergieeffekte sind das Ergebnis. Es ist ein Zusammenspiel, bei dem jedes Segment nach wie vor für seine Qualtität einstehen kann, beschreibt Spieleautor Kai Haferkamp im Gespräch mit Sarah Daubert, und zeigt diese Entwicklung an einem aktuellen Beispiel.

Mehrere Kinderbücher und über 150 Spiele hat Kai Haferkamp in den vergangenen 20 Jahren entwickelt. „Magic Moments“ zu schaffen, jedem Spiel damit ein besonderes Element zu verleihen, das ist die Handschrift des Erfolgsautors

Herr Haferkamp, wie sehen Sie als Spieleautor die Entwicklung, dass Elektronik und das klassische Spiel immer enger zusammenrücken? Würden Sie von einem Trend sprechen oder spielt hier Zukunftsmusik?
Jedes Produkt und jede Produktsparte entwickelt sich zusammen mit den immer neuen technologischen Möglichkeiten weiter, das ist auch bei Spielen so. Die Elektronik kann hier für einen besonders spannenden „Magic Moment“, ein besonderes Spielgefühl, sorgen. Im Übrigen unterstützt sie den Spielablauf etwa als „Spielleiter“ durch Verwaltungsaufgaben oder das Erklären von Spielregeln. Sie kann für die Spieler einen fiktiven Gegner schaffen, gegen den sie gemeinsam spielen und der durch die Elektronik quasi zum „Leben“ erweckt wird.
Zwingend ist der Einsatz von Elektronik aber keinesfalls: Es gibt eine sehr große Anzahl von hervorragenden Spielen, die ganz ohne Elektronik auskommen. Letztlich zählt immer die Qualität der Spielidee an sich und damit verbunden der Spielspaß, ganz gleich, ob mit oder ohne Elektronik. Insofern sehe ich auf dem Markt ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Spielen mit und ohne Elektronik.

Sie haben gemeinsam mit dem Ravensburger Spieleverlag bereits Titel umgesetzt, für deren Spielverlauf Elektronik in unterschiedlichster Form zum Tragen kommt. Was war dabei Ihre größte Herausforderung?
Als Autor ist man hier besonders gefordert, in programmiertechnischen Abläufen zu denken, mit denen man sozusagen der Elektronik das Spielen „beibringt“. Jede Eingabe der Spieler, jede Situation muss berücksichtigt und in den Programmablauf integriert werden.

Welche neuen Möglichkeiten für das klassische Brettspiel schätzen Sie?
Das lässt sich am Beispiel des tipoi Stiftes von Ravensburger besonders gut erklären: Ich denke, der tiptoi ist die ideale Symbiose aus Elektronik und dem klassischen Brettspiel beziehungsweise Buch, da er die besten Eigenschaften dieser beiden Produktwelten miteinander vereint: Wir haben auf der einen Seite das – sehr wichtige – haptische Erlebnis des Spielmaterials beziehungsweise Buchs in seiner ganz klassischen Form. Auf der anderen Seite lässt der tiptoi diese Spiel- und Buchwelten auf besondere Weise lebendig werden: Der tiptoi führt in die jeweilige Spiel- und Lern- beziehungsweise Lesewelt ein und erleichtert den Einstieg. Er ist intuitiv bedienbar und Kinder können sich – sogar, wenn sie noch nicht lesen können – von der ersten Minute an alleine, eigenverantwortlich und sehr sinnvoll damit beschäftigen. Dabei vermittelt der tiptoi die jeweiligen Inhalte durch Sounds und erklärende Texte in direkter Interaktion mit dem Spieler beziehungsweise Leser ganz besonders prägnant und erlebnisreich. Das bietet mir als Autor natürlich hervorragende Möglichkeiten vor allem bei Lernspielen.

Können Sie das Zusammenspiel von klassischen Elementen und Elektronik an einem aktuellen Beispiel erklären?
Das tiptoi Lernspiel „Schatzsuche in der Buchstabenburg“ ist ein wunderschönes Beispiel für die perfekte Symbiose aus klassischem Lernspiel und Elektronik: Hier wird die sogenannte Anlauttabelle, nach der Kinder in der Schule Buchstaben und das Lesen lernen, mit Hilfe des tiptoi lebendig. Mit einem großen Spielplan in Form einer spannenden Burg, bei der sich alle 26 Burgtüren manuell richtig auf- und zuschieben lassen, gehen die Kinder zusammen mit einem kleinen Gespenst auf Entdeckungsreise, um das Geheimnis des Drachens im Schlosskeller zu lüften. Dabei lernen sie hinter jeder Tür ein Tier mit dem dazugehörigen Anfangslaut beziehungsweise Buchstaben kennen. Der tiptoi erweckt diese Kulisse dabei mit den entsprechenden Lauten, Buchstaben, Wörtern und vielen Sounds, vor allem aber mit vielen lustigen und spannenden Spielen und Lernaufgaben zum Leben: So lernen die Kinder ganz alleine und ohne Erwachsene spielerisch alle Buchstaben und Anlaute kennen und können am Ende sogar erste Worte schreiben.

Welche Chancen, welche Visionen sehen Sie für das Segment Spiele durch die Integration neuer Technologien?
Spielen wird, ganz unabhängig von neuen Technologien, immer „up to date“ und für die Entwicklung von Kindern enorm wichtig sein. Die Integration neuer Technologien kann aber helfen, dass das klassische Spiel sich selbst weiterentwickelt und das Potenzial, das im Spielen für die Entwicklung von Mensch und Gesellschaft steckt, noch besser ausschöpft. Der tiptoi ist hierfür das beste Beispiel.

Herr Haferkamp, herzlichen Dank für das Gespräch!

www. ravensburger.de

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