Unternehmen

Wir lieben Holzspielzeug!

Es sind samt und sonders Lieblingsstücke, die unter der Marke Helga Kreft angeboten werden. Hauptsächlich in Deutschland gefertigt, heben sich die ausgesucht schönen Holzspielwaren wohltuend vom Massenmarkt ab. Das 1978 von der Namensgeberin gegründete Unternehmen hat damit eine Alleinstellung, die die jetzigen Inhaber Sönke Behrens und Sebastian Opitz ausbauen und vertiefen möchten.

Das Schaukelpferd „Jolly“ wurde bereits mit einem Designpreis und „spiel gut“ prämiert. Neben Jolly die Einsteigervariante, die kleinere Schwester „Emmy“

Herr Behrens, Herr Opitz, Sie führen seit 2013 das Traditionsunternehmen Helga Kreft, das seinem Qualitätsanspruch und seiner Designsprache seit über 40 Jahren treu geblieben ist. Wie und wann kamen Sie in Kontakt zum Unternehmen?
Sönke Behrens: Von Kind auf hatte ich bereits eine starke Affinität zu Holz. Während meiner Schulzeit in der Waldorfschule war mir der Umgang mit natürlichen Materialien sehr vertraut. Mit 15 baute ich dann die ersten Shaddy Hufe. Sie waren auch das Produkt, das mich mit meinem Geschäftspartner Sebastian Opitz zusammenführte, der ebenfalls Spielzeuge aus Holz, die PuzzleMobile, auf den Markt brachte. Durch einen glücklichen Zufall trafen wir dann vor zehn Jahren auf der Nürnberger Spielwarenmesse auf das Ehepaar Kreft. So lernten wir uns kennen und schätzen und waren sehr stolz, zwei Jahre später das Familienunternehmen in ihrem Sinne weiterzuführen.

Was waren in den Anfangsjahren Ihre Ziele als junge Unternehmer und haben sich diese Erwartungen erfüllt oder mussten Sie sie korrigieren?
Sebastian Opitz: Wissen Sie, die Entscheidung, ein Unternehmen zu übernehmen, war für uns absolutes Neuland und somit eine große Herausforderung. Konkrete Erwartungen hatten wir keine, nur die Begeisterung, wirklich schönes Holzspielzeug herzustellen. Wir wussten nicht, was auf uns zukommen würde, aber wir gingen das Risiko ein. Gab es ein Problem, stellten wir uns der Aufgabe. Höhen und Tiefen begleiteten uns, aber auch viele sehr gute Freunde und Ratgeber waren auf diesem abenteuerlichen Weg an unserer Seite. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir bereuen keinen Tag, das kann man sagen!

Helga Kreft-Produkte stehen für sehr hohe Qualität und sind, das kann man mit Fug und Recht behaupten, nichts für jedermann. Was ist in wenigen Worten die USP von Helga Kreft?
Behrens: Der Markt ist übersättigt, auch in der Spielwarenbranche, und die Menschen brauchen eine Neuorientierung. Da ist es wichtig, den Kunden entgegenzukommen und ihre Wünsche zu erkennen. Qualität, Nachhaltigkeit und pädagogische Werte, das sind die elementaren Dinge, die Eltern heutzutage schätzen. Wenn dann noch eine gute Idee hinzukommt, wie der bewegliche Kopf unseres Gartenpferdes, haben wir alle gewonnen.

Sie haben sich beide als Designer und Hersteller in der Branche einen guten Namen gemacht. Als junge Väter sind Sie nah an der Zielgruppe. Welche Eigenschaften muss ein gutes Produkt in Ihren Augen haben, um sowohl Kindern als auch dem Markt gerecht zu werden?
Opitz: Wir leben in einer sogenannten kurzlebigen Zeit. Für uns hat Spielzeug einen hohen Wert, wenn es das Kind über Jahre hinweg begleitet. Holzspielzeug ist sehr langlebig und wird nicht selten der nächsten Generation weitervererbt. Das ist natürlich das Schönste! Damit werden wir der Umwelt und auch dem pädagogischen Gedanken gerecht, wenn es darum geht, nach ethischen Grundsätzen zu erziehen. Verantwortungsbewusster Umgang mit unserer direkten Umwelt, hier dem Erwerb des Spielzeugs, färbt so automatisch auf das spätere Kaufverhalten unserer erwachsenen Kinder ab.

Sönke Behrens (rechts im Bild) und Sebastian Opitz haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und im Jahr 2013 die Marke Helga Kreft übernommen

Wie beurteilen Sie als junge Väter generell das Angebot an Spielwaren, wo lassen Sie sich inspirieren und wo kaufen Sie die Spielwaren für Ihre Kinder ein?
Behrens: Da wir ein geschultes Bewusstsein haben, was nachhaltiges Spielzeug betrifft, haben unsere Kinder vorrangig ausgesuchtes Spielzeug. Darunter viel ökologisch einwandfreies Spielzeug, darauf achten wir. Die Kinder selbst haben allerdings auch andere Wünsche. Das Angebot ist so reichhaltig und bunt und verlockend, diese Spielwaren erwerben wir oftmals auf dem Second-Hand-Markt, um der Nachhaltigkeit auch hier ein wenig gerecht zu werden.

Helga Kreft-Produkte sind aus Naturmaterialien und werden vorwiegend aus heimischen Hölzern gefertigt. Lange bevor der Trend ökologisch und nachhaltig gefertigte Produkte in den Fokus stellte, haben Sie mit Ihrem Unternehmen diese Kriterien erfüllt. Mittlerweile wird der Begriff „ecofriendly“ fast inflationär verwendet. Beobachten Sie diese Entwicklung mit Genugtuung oder eher kritisch?
Opitz: Eine sehr positive Entwicklung! Wir freuen uns, wenn wir als Vorreiter bezeichnet werden und das bestätigt uns auf unserem Weg. Umweltfreundlich zu produzieren sollte kein Trend, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Wir leben seit über 100 Jahren mit Kunststoffen aller Art. Der Umwelt zuliebe und mit dem Blick auf ein gesundes Leben der nachfolgenden Generationen ist es wichtig, Alternativen zu finden. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir können alle unseren kleinen Beitrag mit großer Wirkung leisten.

Das Siegel „pädagogisch wertvoll“ dient jungen Eltern als Orientierung, ist jedoch oftmals ein nicht haltbares Verbraucherversprechen. Muss Spielzeug pädagogische Zwecke erfüllen oder ist das ein typisch deutscher Anspruch?
Behrens: Dies sollte auf gar keinen Fall ein typisch deutscher Anspruch bleiben! Eltern auf der ganzen Welt wollen doch darauf vertrauen, dass sich ein Spielzeug mit einem solchen Siegel mit ihren pädagogischen Wertmaßstäben deckt. Statt zu überlegen, ob dieses Siegel überflüssig sei, sollten geeignete Prüfstellen dementsprechend detaillierter qualifiziert werden. Darüber hinaus sollte ein Spielzeug stets einen pädagogischen Zweck erfüllen, das ist für uns überhaupt nicht zu trennen.

Spüren Sie, dass Ihre Marke angesichts des derzeitigen gesellschaftlichen Umdenkens und des steigenden Umweltbewusstseins mehr nachgefragt wird?
Opitz: Ja, sehr stark sogar. Viele Kunden rufen uns an und fragen nach Herkunft der Materialien und deren Zusammensetzung und ob unsere Spielzeuge in Deutschland produziert werden. Die Unbedenklichkeit der Materialien ist heute sehr, sehr wichtig. Diese Informationen transparent zu halten, ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Werden Sie in die Richtung ökologisch und nachhaltig weiter expandieren? Und wenn ja, in welchen Bereichen in Ihren Unternehmensprozessen?
Behrens: Zurzeit bauen wir den Versandbereich aus. Die meisten unserer Produkte haben wir bislang mit Absicht ohne Umverpackung in Kartons versendet, um keinen zusätzlichen Müll zu produzieren. Mit wachsender Auftragszahl ist es aber nicht mehr möglich, in der Form große Mengen zu lagern. Nun sind wir gerade dabei, auf umweltfreundliche Umverpackungen, Bio-Kunststoffe und Papierklebeband umzusteigen. Auch eine Maschine zum Karton-recycling haben wir angeschafft, um vertretbares Polstermaterial zu gewinnen.
Im Moment ist die Spielwarenbranche sowohl auf Handels- wie auf Industrieseite im Wandel. Wo sehen Sie Wachstumschancen für Helga Kreft, auch im Hinblick auf globale Märkte?
Opitz: Wir sehen Wachstumschancen vor allem zunächst in der konsequenten Ausweitung unserer Produktpalette, national wie international.  Ganz neu treten wir an mit der Überschrift: „natural way to play“ – das soll heißen, wir konzentrieren uns auf ein Angebot von Outdoor-Artikeln mit einem hohen edukativen Spielwert. Vor allem unsere Pferdewelt spielt hier eine besondere Rolle. Hier bieten wir ein spannendes Sortiment rund um unsere neue zentrale Kategorie „Jolly & Friends“ an. Wir freuen uns ganz besonders, dass wir mit Peter Kircher eine exzellente Vertriebsverstärkung bekommen. Peter Kircher ist ein versierter Vertriebler, der uns in Zukunft  tat- und ratkräftig unterstützen wird.

 

„Gartenpferd Tamme“ bietet viele Rollenspielmöglichkeiten. Das Original gibt es nur bei Helga Kreft

Die Spielwarenmesse steht unmittelbar bevor. Was werden Sie in Nürnberg zeigen und was erhoffen Sie sich von Ihrem Messeauftritt?
Behrens: Wir freuen uns, dass wir unsere Pferdewelt unter einer ganz eigenen Marke präsentieren dürfen: „Jolly & Friends“. Wir haben mit unserem Schaukelpferd Jolly Popcorn als Galionsfigur einen speziellen Rahmen geschaffen, um unsere stets wachsende Pferdespielwelt auszubauen. Wir wollen Kindern auf dem Rücken eines Pferdes eine Spielwelt in der Natur ermöglichen. Durch unser umfangreiches Zubehör lernen die kleinen Reiter spielerisch den sozialen Umgang mit Tieren: Pferde wollen nicht nur gestriegelt, sondern auch abgeäppelt werden. Schöner kann eine Kindheit nicht sein! :)

helgakreft.de

3 Fragen an ... ... Peter Kircher, kircher-consult

Herr Kircher, wie beurteilen Sie das Unternehmen?
Ganz klar als Underdog mit sehr viel Potenzial! Helga Kreft ist seit den 70er Jahren im Markt unterwegs und hat sich in dieser Zeit ein Sortiment aufgebaut, das in den letzten drei Jahren verstärkt auf die Spielbeschäftigung im Freien abzielt. Bislang ist man noch nicht repräsentativ im Markt angekommen. Helga Kreft ist aktuell ein typischer Nischenanbieter mit viel Luft nach oben und erfolgversprechenden Ansatzpunkten für den Spielwarenfachhandel.

Wie schätzen Sie die Produkte für den Handel ein?
Primärer USP für mich ist das Angebot rund ums aktive Rollenspiel und das Agieren in der Pferdewelt. Hier steht ein hochwertiges Angebot zur Verfügung, das es in dieser Form nicht gibt und das den jüngeren Pferdeliebhabern umfangreiche Möglichkeiten bietet, die Pferdewelt der Erwachsenen im Detail nachzuspielen. Die Produkte sind zu überwiegendem Anteil „Made in Germany“ mit hochwertiger Look-und-Feel-Charakteristik und hoher Qualitätsausführung.

Wie planen Sie die Vertriebsausrichtung?
Es werden interessante Garten-Pferde-Sets angeboten, die der stationäre Handel als Event-/Demo-/Eyecatcher Produkt im oder vor dem Geschäft platzieren kann. Die Sets werden dem Endverbraucher im Geschäft über Aufsteller beziehungsweise „Stallkarten“ präsentiert, sie können im Geschäft bestellt werden. Die Ware wird direkt vom Hersteller in 48 Stunden, also fast im Prime-Status, kostenfrei geliefert. Der Handel hat also weder Lager- noch Liquiditätsbindung noch Lieferaufwand und fungiert quasi als Schaufenster. Einzelne Accessoire-Produkte können parallel dazu im Geschäft angeboten werden. Natürlich ist hier ebenfalls eine effiziente On- und Offline-Ansprache vorgesehen für ein erfolgreiches Miteinander aller für HK wesentlichen und wichtigen Vertriebspartner.

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