Marketing 4.0

Wie spielt man nach den neuen Regeln des Marketings

Die Welt des Marketings ist heute komplexer denn je und von zahllosen Motiven, Märkten und Menschen, von unzähligen medialen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Gegebenheiten bevölkert. Dabei ist es so, dass diese immer komplexere Welt nach immer simpleren Lösungen verlangt. Warum eine schlüssige Marketingstrategie gerade heute unerlässlich ist, um diese einfachen aber wirkungsvollen Lösungen zu finden, erläutert Ralf Wendland, Inhaber der Agentur servicemeisterei in dieser Rubrik zum Thema Marketing 4.0.

Zum Autor: Jede Marke ganz individuell wahrzunehmen, ihre besonderen Stärken und Werte zur Entfaltung zu bringen und diese den Kunden zu vermitteln, das zeichnet die Arbeit von Ralf Wendland aus. In seiner Agentur servicemeisterei, die er vor acht Jahren gegründet hat, verantwortet er die strategische Markenberatung sowie die Entwicklung innovativer Marketingstrategien, die On- und Offline-Aktivitäten in Einklang bringen. Mit seiner Agentur hat er auch zahlreichen Marken aus der Spielzeugbranche neue Lösungswege für ihr Marketing aufgezeigt. Diese Praxiserfahrungen fließen auch in diese Rubrik rund um das Marketing 4.0 ein und geben hoffentlich vielen Unternehmen Inspirationen, um ausgetretene Wege zu verlassen und nach den neuen Regeln des Marketings zu spielen. servicemeisterei.de

Teil 2: Alles braucht einen Anfang – Starke Strategien statt Streudienst

Relevanz schlägt Reichweite

Auch im Bereich Strategie sowie bei der Planung und Umsetzung von Marketingmaßnahmen eröffnete die Digitalisierung in den vergangenen Jahren eine Vielzahl neuer Möglichkeiten, man denke nur an den Bereich Social Media, der auch in der Spielwarenbranche viele neue Fragen und Problemstellungen aufgeworfen hat. Mit dieser Vielfalt stieg jedoch auch die Komplexität im Marketing, was auf viele Unternehmen eine abschreckende Wirkung hatte und teilweise auch immer noch hat. Doch traut man sich umzudenken und sein Marketing auf die neuen Begebenheiten anzupassen, wird schnell deutlich, dass die digitalen Möglichkeiten auch Chancen mit sich bringen.

War früher wirklich alles besser?!

Ähnliche Umbrüche wie in den vergangenen Jahren gab es jedoch auch schon früher in regelmäßigen Abständen. Sei es die Erfindung des Autos, Radios, Telefons oder Fernsehens. Mit einem melancholischen „Früher war alles besser“ kommt man deshalb auch im Marketing keinen Schritt weiter. Statt sich gegen die unvermeidlichen Entwicklungen zu wehren, hat es erfolgreiche Unternehmen immer ausgezeichnet, die Zeichen der Zeit zu erkennen und für sich nutzbar zu machen. Neue Technologien verändern zwar wie Marketing fließt, aber nicht seine grundsätzlichen Funktionsweisen. Sie haben Einfluss auf unser aller Nutzungsverhalten hinsichtlich diverser Medien und zwar zum Teil sehr radikal und innerhalb kürzester Zeit. Aber diese immer neuen Möglichkeiten haben keinen Einfluss auf das Wesen von uns Menschen an sich. Denn dieses Wesen wurde im Rahmen der Evolution über Jahrtausende geformt und lässt sich auch durch neue Kommunikationsformen nicht von heute auf morgen auf den Kopf stellen. Daher bleiben wichtige Prozesse der Marketingführung in ihrem Kern auch erst einmal unberührt.
Die Regel, dass der Mensch stets im Mittelpunkt des Marketingdenkens und -handelns stehen sollte, ist heute beispielsweise immer noch genauso gültig, wie vor dem technologischen Wandel. Das Problem ist hier weniger der Wandel selbst, sondern die Tatsache, dass es vielen Unternehmen sehr schwer fällt, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Unternehmenszielen und Gewohnheiten im Marketing auf der einen Seite sowie den Bedürfnissen der Menschen innerhalb ihrer Zielgruppen auf der anderen Seite zu finden. Die Ausarbeitung einer Marketingstrategie, welche sich konsequent an eben diesen Bedürfnissen orientiert und alle Marketingmaßnahmen an diesen ausrichtet, gibt als Lösung dieses Problems dem unternehmerischen Handeln langfristig Leitplanken, welche die Richtung vorgeben und einen Korridor für eine zielgerichtete Bearbeitung der interessanten Marktsegmente schaffen. So verhindert strategisches Planen im Marketing, dass man wie ein Grashüpfer von einer Maßnahme zur anderen hüpft, nur weil diese kurzfristige Aufmerksamkeit und Reichweite verspricht. Dabei werden nämlich meist die eigenen Ziele und Zielgruppen aus den Augen verloren und das Marketing wird austauschbar. Eine schlüssige Strategie verhindert dies, schafft eine ausgewogene Balance zwischen den einzelnen Marketingfeldern und vermittelt so ein schlüssiges Bild einer Marke. Unabhängig davon, in welchem Medium oder an welchen Kundenkontaktpunkt die Menschen der Marke begegnen.

Auf der Suche nach den großen Gedanken

Erfolgreiches Marketing basiert deshalb immer auf einem langfristig ausgerichteten Ansatz, der im Gegensatz zu früher heute nicht mehr bis ins kleinste Detail in Stein gemeißelt ist, sondern eine klare Richtung vorgibt, dabei aber der digitalen Entwicklung Rechnung trägt und genügend Raum für schnelle Reaktionen und Anpassungen lässt, ohne dabei die eigenen Ziele und die Bedürfnisse der Menschen in den Zielgruppen aus den Augen zu verlieren. Es gibt allerdings kein Patentrezept für eine Strategie, denn erfolgreiches Marketing ist immer so individuell wie die Unternehmen und die Menschen, die mit ihm verbunden sind.
In unserer heutigen, komplexen Welt braucht es deshalb eine Marketingplanung, die durch die Vielfalt an Möglichkeiten reist, immer auf der Suche nach Konstellationen von Erkenntnissen, die den Weg hin zu einem wirkungsvolleren Marketing weisen. Eines das dabei hilft, die eigene Mission bei den Verbrauchern zu vermarkten und die eigenen Werte bei den Mitarbeitern und Vertriebspartnern zu verankern, um so die Menschen für die eigene Marke und Vision zu begeistern. Die folgenden fünf Thesen können einen ersten Anstoß geben, das eigene Marketing künftig strategischer auszurichten, um so der Komplexität der Märkte mit einer klaren Haltung zu begegnen.
• Die zentrale Aufgabe der Marketingplanung ist die Suche nach einem großen Gedanken, einem Gedanken, der die Mitarbeiter motiviert und die Kunden fasziniert.
• Marketingplanung denkt nicht in Marken und Kommunikation, sondern zuerst einmal in Herausforderungen und Lösungen. Es zählt nicht der Blick auf die nächste Kampagne, sondern es braucht ein fundamentaleres Denken, das alle Bereiche des Unternehmens umfasst.
• Marketingplanung beschränkt sich nicht auf unterschiedliche einzelne Disziplinen oder Kanäle, sondern denkt in grundsätzlichen Handlungsrichtungen. Die richtigen Einzellösungen für Vertrieb, Produktion, Preis und Kommunikation zu finden, sind Teil der Gesamtlösung der Aufgabe.
• Marketingplanung ist keine Suche nach kurzfristiger Bestätigung, sondern nach einer großen, langfristigen Antwort auf die Probleme der Zielgruppen. Deshalb müssen Marketingplaner manchmal auch un-bequem sein.
• Gute Marketingplanung arbeitet nicht nur am materiellen Erfolg des Unternehmens, sondern auch an seinem ideellen Erfolg. Wer nur auf Gewinnmaximierung aus ist, ist im modernen Marketing fehl am Platz.
Hinter der Suche nach den großen Gedanken im Marketing sollte also immer eine Philosophie stehen, die nicht nur wirtschaftlich Sinn macht, sondern auch übergreifend Sinn erzeugt. Denn das macht das Geheimnis des großen Gedankens aus: Es ist immer einer, an den man wirklich glauben kann. Gutes Marketing will Menschen nämlich nicht überzeugen, überreden oder manipulieren, es will sie einfach begeistern und einladen, mehr über eine Marke, ihre Produkte und natürlich die Menschen da-hinter zu erfahren.

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