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UK-Babymarkt unter Druck

Die Babybranche macht in vielen Ländern eine schnelle Veränderung durch. Das Vereinigte Königreich ist da keine Ausnahme. Auch hier wählen Eltern inzwischen sehr unterschiedliche Wege, wenn es um den Kauf von Babyartikeln geht. Hinzu kommt das heiß diskutierte Thema Brexit. Cathy Bryan, Expertin für die Babybranche in UK, beleuchtet nachfolgend die Branche.

TotsBots, ein schottischer Anbieter von Stoffwindeln, präsentiert seine Neuheiten in Köln

Cathy Bryan beschäftigt sich seit 1984 mit der Babybranche. Aktuell ist sie Inhaberin und Herausgeberin von „Nursery Online“, einem Online-Magazin mit wöchentlichen Newslettern für den UK-Markt und monatlichen Newslettern für den internationalen Markt

Genau 657.076 Kinder wurden 2018 im Vereinigten Königreich geboren – das ist zwar ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, in dem 679.106 Jungen und Mädchen in dem Inselreich das Licht der Welt erblickten. Doch mit einer Fertilitätsrate von 1,7 liegt UK nach wie vor in der Spitzengruppe der EU. In Deutschland betrug der entsprechende Wert für das Jahr 2017 1,57. Aber während die Zahl der Kunden sinkt, bleibt der Markt stabil.
Das Volumen des UK-Markts für alles rund ums Baby, angefangen von der Ernährung über Möbel, Kinderwagen und Autositze, Sicherheitsprodukte, Bettwäsche und Pflegeartikel bewegt sich bei rund 900 Millionen Pfund – was derzeit rund 1,05 Milliarden Euro entspricht. Dabei sind Artikel wie Windeln, Kleidung und Spielzeug noch nicht berücksichtigt. Am teuersten ist dabei der Transport des Nachwuchses, für den viele britische Familien locker um die 1.000 Pfund aufwenden. Eine große Zahl von Labels kämpft hier um die Marktanteile. Marken wie Britax, BabyStyle, iCandy, Meego und Silver Cross werden dabei als britisch wahrgenommen, obwohl ihre Produkte im Ausland produziert werden und auch die Anteile nicht unbedingt in britischen Händen liegen. Zu den „Spielern“, die erst kürzlich in den UK-Markt eingetreten sind, gehören Invictus aus Belgien und Inglesina aus Italien.

Statement bevorzugt

Viele Eltern suchen nach einem „Statement“-Produkt – eines, auf das sie stolz sein können. Ihr Lebensstil hat einen großen Einfluss auf die Kaufentscheidung. Neben Empfehlungen von Freunden und Familie werden sie auch davon beeinflusst, was ihre Lieblingspromis nutzen – selbst wenn viele dies bestreiten.
Als erstes kaufen Eltern typischerweise ein Produkt, das einen Kinderwagen mit einem Autositz kombiniert und immer häufiger auch eine Babytragetasche. Die Verkäufe von Autositzen und Kinderwagen erfolgen generell im stationären Handel, besonders von Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden. Aber die Online-Käufe steigen stetig und liegen derzeit bereits bei einem Drittel. Bei Autositzen gewinnt der EU-Kindersitzstandard iSize an Bedeutung, denn Qualität und Sicherheit ist ein zunehmender Faktor und das Bewusstsein steigt, dass Produkte mit diesem Standard signifikant besser sind.

Spieluhren stellt das Unternehmen Sweet Dreamers auf der Kind+Jugend vor

Mit Windeltaschen und -rücksäcken beschäftigt sich der britische Hersteller Pink Lining

So tickt die Online-Generation

Sie nutzt ihre Smartphones, um Preise zu vergleichen, nach Produktinformationen zu suchen, Onlin-Bewertungen zu überprüfen und natürlich steigen die Online-Verkäufe. Mit dem Smartphones im stationären Geschäft die Online-Preise zu checken, und dann nach Preisanpassungen zu fragen, ist in dieser Generation nicht ungewöhnlich!
Die Folge: In den vergangenen Jahren hat Großbritannien das Scheitern gleich mehrerer bekannter stationärer Einzelhändler erlebt. Babies ‘R‘ Us schloss seine Läden im April 2018, Kiddicare machte sein letztes Geschäft in Peterborough im März 2019 dicht. Viele Produkte sind nun beim britischen Einrichtungsspezialisten Dunelm zu finden, der das Kiddicare-Geschäft übernahm. Auch Mothercare hat in den vergangenen Jahren sehr gelitten. Das Unternehmen schloss eine Anzahl von Geschäften, die Verluste machten, und verfügt jetzt nur noch über ein Ladennetz von 79 im Vergleich zu 134 im Jahr 2018. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, dass die gesamten Verkäufe in UK um 23,2 Prozent gefallen sind und sogar die Online-Verkäufe um 12,1 Prozent zurückgingen. Es ist zu erwarten, dass Mothercare seine Umstrukturierungen fortsetzen wird – und es gibt Gerüchte, dass über den Verkauf der Geschäfte im Vereinigten Königreich oder die Überführung in ein Franchise-System verhandelt wird.

Highend-Produkte punkten

Doch auch wenn Online-Einzelhändler wie Baby Planet florieren und einige unabhängige Läden wie Peppermint in London ihr Geschäft aufgegeben haben, ist dies keine einheitliche Entwicklung. Andere selbstständige Einzelhändler berichten von einem Anstieg der Verkäufe wie Ian Davidson von Babylicious in Hoylake, eine Stadt im Nordwesten Englands. Das Problem ist der Druck auf die Margen. „Unsere Kunden haben einen besseren Überblick über den Markt – und häufig denken sie, dass sie wissen, was sie möchten. Aber oft ist das nicht wirklich wahr. Sie sagen, die Marke ist wichtig, aber wenn sie im Laden stehen, ändern sie ihre Meinung noch einmal. Unsere größte Bedrohung ist der Online-Händler Amazon, der dort dominiert, wo Preise der wichtigste Faktor sind.“
Das sieht auch Jonathan Finegold von Inglesina UK so: „Der Markt ist geteilt – in preiswerte Produkte und Premiumprodukte. Im Internet suchen Verbraucher nach dem niedrigsten Preis. Eine signifikante Anzahl von Menschen ist jedoch auch auf der Suche nach Highend-Produkten, die in exklusiven Geschäften angeboten werden. Waren des mittleren Segments sind verschwunden.“

Ungewisse Zukunft

Mit Blick auf die Zukunft ist vieles ungewiss. Seit 2016 nach dem Brexit-Referendum ist der Wert des Pfunds gefallen. Kürzliche Kommentare des neuen Pre-mierministers Boris Johnson haben zu weiteren Rückgängen geführt und falls es einen „No Deal“-Brexit gibt, wird sich diese Entwicklung besonders gegenüber dem Dollar noch weiter fortsetzen, in dem die meisten Importgüter gehandelt werden. Das drückt die Spannen und bringt Verbraucher dazu, sich nach billigeren Alternativen umzusehen.
Wird Großbritannien die EU mit oder ohne einen Deal verlassen? Wir wissen es nicht und die Ungewissheit wirkt sich auf alle Bereiche der Wirtschaft aus. Es ist nicht nur der Wert des Pfund, sondern auch potenzielle Regulierungen, Zölle und Grenzkontrollen, die die Wirtschaft umtreiben. Viele Firmen erhöhen ihre Vorräte – mit entsprechend negativen Folgen für die Gewinne.
Durch den Brexit hängt alles in der Luft wie mehrere wichtige Gesetzgebungsverfahren, zum Beispiel die Brandschutzbestimmungen. Diese schreiben vor, dass alle Stoffe, die für Einrichtungen inklusive Kinderwagen verwendet werden, feuerhemmend sind. Es gab Gespräche darüber, dass das geändert werden könnte, aber wer weiß, wie es weitergeht?
Vor diesem Hintergrund stellen 95 britische Firmen in Köln auf der Kind + Jugend aus und liegen damit im Ranking der Ländergruppen im vorderen Bereich. Da gibt es bekannte Marken wie iCandy und langjährige Aussteller wie Clippasafe, aber auch einige Aussteller wie Novi, der zum ersten Mal dabei sein wird und hofft, dass sich Käufer aus der ganzen Welt für seinen neuen innovativen Kinderwagen begeistern. Viele der Firmen sind über die verschiedenen Hallen verstreut, eine Anzahl der besonders interessanten und und innovativen Unternehmen werden im Britischen Pavillon in Halle 4.1 Flagge zeigen und freuen sich auf jeden Fall über jeden Besucher.

Mit seinen innovativen Kinderwagen von der britischen Insel zeigt BabyStyle Flagge

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