Unternehmen

Adel verpflichtet

Beim Fachpressetag von Faber-Castell ging es um fundamentale Firmenwerte, die das fränkische Traditionsunternehmen in die Zukunft weisen sollen, um den mutigen Vorstoß in fremde (Produkt-)Welten. Das neue Besucherzentrum mit einem 200 Quadratmeter Flagship-Store wurde ebenfalls vorgestellt. Astrid Specht war dabei.

Faber-Castell hat Innenschau betrieben, doch statt eines egozentrischen Weltbildes – wie es manchmal nach einer Selbstanalyse entstehen kann –, ist daraus ein profundes Verständnis für das eigene Firmen-Ich erwachsen, quasi ein neues Bewusstsein für die Werte, auf denen dieses Traditionshaus ruht.
Unternehmerisch und verantwortungsvoll sehen sie sich, die Franken aus Stein bei Nürnberg. Leidenschaftlich und traditionsbewusst. Ambitioniert und innovativ. Qualitätsbewusst und nachhaltig. Eine große Bandbreite an Eigenschaften, ja, aber eben auch klar definiert. Denn nur wer eindeutige und stabile Werte hat, kann den Anforderungen eines zunehmend volatilen, unsicheren, komplexen und zeitweise auch nebulösen Marktgeschehens standhalten und dieses mitgestalten. Zudem haben sich alle Führungsebenen des Unternehmens ohne Vorbehalte ihren Kunden verpflichtet. Das bedeutet nicht nur, deren Bedürfnisse zu erkennen und sie zu erfüllen, sondern auch, sich der inneren Selbstzufriedenheit, dem Sattwerden entgegenzustellen, das sich manchmal einstellt, wenn man schon viel erreicht hat. Agil und beweglich wollen sie bleiben, um immer wieder die Perspektive wechseln und vor allem auch digital mitreden zu können. Und sie wollen nie aufhören, die richtigen Fragen zu stellen: Warum? Wie? Was? Am besten in dieser Reihenfolge. Denn nur so können sie ihre breitgefächerte Zielgruppe, die von Babyboomern bis zur Generation Alpha reicht, dort abholen, wo sie ist: im Kindergarten, in der Schule, in der Uni, im Büro und am Schreibtisch zu Hause.

Auch auf Abenteuer lassen sie sich hin und wieder ein. So hat das Unternehmen dieses Jahr das erste Mal bei der Comic Con Experience in Köln ausgestellt. Die CCXP gehört zu den größten Comic Conventions der Welt. 2018 zählte sie in Sao Paulo über 200.000 begeisterte Besucher.
Doch wie passt das Traditionsunternehmen in diese poppige Welt, die nur wenig mit der sanftfarbigen Welt des Aquarellmalens gemein hat? Ganz einfach: Renommierte Comic-Zeichner legen beim Erschaffen ihrer knallbunten Werke großen Wert auf hochwertige Farb- und Zeichenutensilien. Und die bietet Faber-Castell natürlich. Wie das ganze konkret auf der CCXP aussehen wird, wollte das Marketing-Team beim Fachpressetag noch nicht verraten. Es soll spannend bleiben!
Was sie aber nicht nur verrieten, sondern auch gleich voller Stolz vorführten, war das neue Besucherzentrum und der 200 Quadratmeter große Flagship-Store, direkt gegenüber vom altehrwürdigen Schloss. Das Gebäude stammt noch aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende und diente bisher als Produktzwischenlager. Jetzt bietet es Raum für Geschichte, ein bisschen Kunst, ein Café und einen Besucher-Shop, in dem Faber-Fans die Augen übergehen werden. Von Eberhard Faber-Malstiften und Rucksäcken für die Kleinen über Bleistifte, Fine Writers, bis hin zu den Luxus- und Lifestyleprodukten der Linie Graf von Faber-Castell. Und auch der verstorbene King Karl (Lagerfeld) hat dort einen Platz gefunden. In edler Auslage werden dort seine bevorzugten Bleistifte gezeigt.
Faber-Castell hat viel vor, was sich auch in dem gezielten Einstieg in das Produktsegment Füllfederhalter widerspiegelt, einen Bereich, in dem bislang noch andere Marktführer sind. Doch sie sind zufrieden mit dem Erfolg des Füllers Grip, dessen Handhabung sich ideal für kreatives Gestalten wie zum Beispiel Kalligraphie und Handlettering eignet. Mutig. Aber wen wundert das bei einem Unternehmen, dessen Logo zwei Ritter zeigt?

faber-castell.de

v. l.: Rolf Schifferens, Vorstand Faber-Castell Europa/Nord Amerika; Stefan Matschke, Vertriebsleiter Faber-Castell; Klaus Fliegerbauer, Geschäftsführer Eberhard Faber

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