Unternehmen - Heless

Drei Generationen Frauenpower

Mit Susanna Becker, die von ihrer Mutter Beate Becker im vergangenen Jahr in die Geschäftsführung von Heless Spielwaren berufen wurde, wird das Unternehmen bereits in zweiter und dritter Generation erfolgreich von Frauen geführt. Die beiden teilen sich die Leitung des Unternehmens, das 1949 von Mutter beziehungsweise Großmutter Helga Moll gegründet wurde.

Über tatkräftige Unterstützung und frische Ideen, die ihre Tochter ins Unternehmen einbringt, freut sich Seniorchefin Beate Becker. Seit März 2018 ist Susanna Becker ebenfalls Geschäftsführerin von Heless Spielwaren. Als Firmentochter war sie bereits in jungen Jahren in das Unternehmen involviert. Ihre Berufserfahrung sammelte sie allerdings nach Abschluss des Masters in BWL in anderen Unternehmen, unter anderem in einem erfolgreichen Berliner Start-up.

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... Beate Becker, GF Heless in der zweiten Generation

Frau Becker, Stabsübergabe zur rechten Zeit will gekonnt sein ...
Nachdem meine Tochter Susanna und ich uns nun seit einem Jahr die Geschäftsführung teilen, kann ich zweifelsohne sagen, dass wir genau den richtigen Moment gewählt haben. Susanna kennt unsere Firma schon ihr ganzes Leben, hat schon immer für unsere Produkte gebrannt und sich von klein auf aktiv mit Ideen eingebracht. Sie hat eine sehr gute Ausbildung absolviert und mehrere Jahre Berufserfahrung gesammelt – besonders wichtig: auch außerhalb von Heless. Zu einem früheren Zeitpunkt hätte ich die „Stabsübergabe“ nicht in die Wege leiten wollen, schließlich ist es eine sehr große Verantwortung, die man mit dem Schritt in die Geschäftsführung übernimmt. Susanna war zum Zeitpunkt der „Stabsübergabe“ bereits einige Jahre fest im Sattel der Firma. Es war mir eine Freude, sie mit der Ernennung zur Geschäftsführerin an ihrem 30. Geburtstag zu überraschen.

Wie teilen Sie sich mit Ihrer Tochter die Kompetenzfelder auf?
Die Größe unserer Firma ist überschaubar, daher gibt es viele Überschneidungen in unserer täglichen Arbeit. Wir unterstützen uns gegenseitig in allen Projekten und treffen alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam. Meine langjährigen Branchen-Erfahrungen gepaart mit frischen Impulsen meiner Tochter sind dabei eine perfekte Kombination. Wenn man unsere Kompetenzfelder voneinander abgrenzen müsste, könnte man sagen, dass sich Susanna mehr um den Einkauf, digitale Projekte und die Entwicklungen unserer Neuheiten kümmert, während bei mir der Vertrieb und die Produktion im Fokus stehen.

Gestalten Sie den Generationenwechsel anders als Ihre Mutter?
Bestimmt – was aber schon allein daran liegt, dass sich die Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten sehr verändert hat. Den damaligen Generationenwechsel, als ich 1990 in die Geschäftsführung bei Heless eingestiegen bin, habe ich als gelungen in Erinnerung. Diese Erfahrung war für den jetzigen Wechsel natürlich sehr wertvoll: Gewisse Abläufe konnte ich übernehmen, manche habe ich jedoch im Hinblick auf die heutige Zeit optimiert. Grundsätzlich kann ich sagen, dass es mir große Freude macht, zu sehen, wie sich unser Familienunternehmen weiterentwickelt. Susanna bringt frischen Schwung in die Firma, hat neue Ideen und Veränderungsvorschläge, denen ich sehr aufgeschlossen gegenüberstehe.

3 Fragen an …

... Susanna Becker, GF Heless in der dritten Generation

Frau Becker, 70 Jahre Heless, wie betrachtet man aus Ihrer Perspektive ein Unternehmen mit dieser Geschichte und wie führt man es in die Zukunft?
Zum einen macht es mich sehr stolz, das Privileg zu haben, ein so traditionsreiches Unternehmen zu übernehmen und zukünftig führen zu können. Und ich bewundere den Mut und den Unternehmergeist, den meine Oma mit jungen 21 Jahren hatte, als sie unsere Firma gegründet hat – besonders als Frau und Mutter. Die Fußstapfen meiner Großmutter und Mutter sind jedoch groß und dementsprechend hoch sind auch die Erwartungen an mich selbst. Aber ich habe gelernt, dass es gut ist, sich selbst für geleistete Erfolge zu loben, anstatt immer nur das zu sehen, was man noch nicht umgesetzt hat. Es ist wichtig, Projekte zu priorisieren. Dazu kommen vielfältige Themen wie Digitalisierung, Produktsicherheit, Veränderungen in der Arbeitswelt und Nachhaltigkeit. Wichtige Grundlagen, um all diese Aufgaben voranzutreiben, sind ein motiviertes Team, eine stetige Offenheit für Veränderungen und natürlich eine Menge Kreativität.

Sie haben eine Passion für Design, was passt zu Heless außer Puppenbekleidung und Puppen? Ist die Marke ausbaufähig?
Generell denke ich, dass fast jede Marke oder jedes Unternehmen die Fähigkeit hat, ihr Produktsortiment auszubauen und nicht nur auf eine spezielle Produktgruppe limitiert ist. Ob das immer Sinn macht, sei natürlich dahingestellt. Heless hat bereits in der Vergangenheit durchaus über andere Produktgruppen nachgedacht und teilweise sogar angetestet. Wir stehen allen Ideen offen gegenüber und sind gespannt, was die Zukunft bringt. Zurzeit fühlen wir uns jedoch sehr wohl im Markt rund um das Puppenspiel und haben schon viele tolle Ideen, wie wir unser Sortiment künftig sinnvoll ergänzen können.

Was halten Sie von der Gender-Diskussion? Brauchen Mädchen Rosa und Jungs Blau oder geht auch ein kreativer „Rollentausch“?
Gender-Diskussion ist ein sehr breites Thema! Mit einer Oma als Unternehmerin, einer Mutter als Unternehmerin und selbst als Unternehmerin ist dieses Thema natürlich im persönlichen Umfeld präsent. Ich halte die Gender-Diskussion für sehr wichtig und viele Weichen werden eben schon im Kindesalter gestellt. Daher ist dies natürlich auch für uns als Spielwarenhersteller ein Thema.
Verschiedene Geschlechter brauchen per se keine verschiedenen Farben. Ich glaube nicht, dass Mädchen ein Rosa- und Jungs ein Blau-Gen haben. Ich denke, dass es eher eine von der Industrie getriggerte, unnatürliche Differenzierung ist, um das Produktportfolio zu erweitern. Bezogen auf unser Produktsegment würde ich mir wünschen, dass es auch für Jungs selbstverständlich ist, Rosa zu tragen oder eben auch mit Puppen zu spielen. Denn gerade im Puppenspiel üben Kinder Mitgefühl und soziale Intelligenz – eine Puppe zum Liebhaben gehört somit in jedes Kinderzimmer, egal ob Junge oder Mädchen. Dass ein erstes Umdenken bereits stattgefunden hat, zeigt beispielsweise der Wendepailletten-Trend, der sowohl die Mädchen- als auch Jungsmode fest im Griff hat. Vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen, heute ist es Alltag. Man sieht also, es geht in die richtige Richtung.

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