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Coverstory: Mepal

Zeitlos modern

Es war einmal ein junger Mann, der 1942 auf Rattenfang ging ... Was wie der Anfang eines Märchens klingt, ist tatsächlich der Anfang der Erfolgsgeschichte von Mepal, dem niederländischen Hersteller durchdachter Kunststoffprodukte für Speisen und Getränke. Wie sich die Geschichte weiterentwickelt und was das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens ausmacht, hat Astrid Specht für die Coverstory herausgefunden.

Der junge Mann ist der Däne Egon Wolff. Er geht 1942 im Auftrag seiner Firma, die auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert ist, in die Niederlande, um einer Nagetierplage am Ijsselmeer Einhalt zu gebieten. Sein Einsatz ist so erfolgreich, dass er für die Firma in den Niederlanden bleibt – auch der Liebe wegen.
Was folgt, liest sich wie das Einmaleins herausragenden Unternehmertums: 1948 nimmt Wolff eine neue Stelle bei Normandië, einem Großhandelsbetrieb für Glas, Porzellan und Steingut an, das sein Sortiment erweitern will. Schon kurze Zeit später wird er dort Gesellschafter, reist zur ersten Kunststoffmesse Europas, kommt dort mit den Gründern der dänischen Firma Rosti in Kontakt – und bald auch ins Geschäft: Er erhält für die Beneluxländer die exklusiven Vertriebsrechte für Rosti- Becher und -Teller hergestellt aus Melamin-Formaldehyd. Von hier ist der Weg zur Marke Mepal nicht mehr weit.
Eigentlich ist Mepal ein Grundstoff, der zur Herstellung der Rosti-Produkte verwendet wird. Wolff sichert sich die Rechte an dem Begriff in der Rubrik Haushaltsartikel, der ab sofort synonym mit den Produkten verwendet wird.
Als sein Mitgesellschafter Normandië verlässt, tritt das Unternehmen ab dem 1. Januar 1950 unter dem Namen „Mepal Service“ auf und beginnt mit seinen Haushaltsartikeln einen Eroberungszug um die ganze Welt.
Zunächst sind Großabnehmer wie das Militär, Krankenhäuser, Klöster und Kantinen die Hauptzielgruppe. Mit Blick über den Teich stellt Wolff jedoch bald fest, dass Kunststoffgeschirr in den USA längst ein gängiger Bestandteil der Haushaltsausstattung ist. Um das Rosti-Sortiment in seiner Wahlheimat auch bei Privatkunden zu etablieren, überzeugt er niederländische Warenhausketten davon, das Melamin-Geschirr anzubieten. Mit Erfolg. Die Kunden reißen sich darum, das Geschäft boomt.
Mitte der 50er-Jahre steigt die Kaufkraft der Menschen und erstmals soll Urlaub gesetzlich in den Arbeitsverträgen festgeschrieben werden. Befürworter dieser Bestrebungen sind der nationale Automobil- und Tourismusverband, der mit seiner Kampagne für Campingaktivitäten wirbt. Egon Wolff erkennt sofort das Absatzpotenzial für die unzerbrechlichen Produkte und positioniert sie als das ulitmative Campinggeschirr im Markt. Und wieder geht die Rechnung auf: Die Mepal-Produkte erfahren einen neuen Boom.
Nach und nach entwickelt Wolff auch eigene Produkte, wobei sein Anspruch ist, sie modern und dennoch zeitlos zu gestalten, damit eine lange Nutzungsdauer garantiert ist. Schon damals spielt Nachhaltigkeit für ihn eine große Rolle.

Mit Mepal Mio wird Essen und Trinken lernen buchstäblich zum Kinderspiel. Wie alle Mepal-Produkte, sind auch diese zu 100 Prozent BPA-frei

Die Serie Mepal Mio für Kleinkinder umfasst Geschirr und Besteck in vielen fröhlichen Farben und Designs

Als sich das Konzept für Selbstbedienungs- Supermärkte ausbreitet, die Lebensmittel das ganze Jahr hindurch anbieten, verringert sich der Bedarf, daheim große Vorratsmengen anzulegen. In Folge werden auch Küchenschränke kleiner und die Idee zu stapelbaren Vorratsbehältern für kleinere Lebensmittelmengen kommt auf und setzt sich durch.
Seitdem hat Mepal ein riesiges Produkt-sortiment entwickelt, das neben Outdoor-Geschirr und Aufbewahrungsboxen unter anderem Küchenzubehör, Lunchboxen, Besteck, Trinkflaschen,- und Becher, Thermosprodukte aus Edestahl sowie die Kleinkindkollektion Mepal Mio und die Schulserie Campus für Kinder umfasst.

Darüber hinaus versteht Mepal schon früh, dass es sich letztendlich auch positiv auf die eigene Umsatzbilanz auswirkt, wenn die Handelspartner am PoS unterstützt werden. Wie diese Unterstützung aussehen kann, verriet Martina Höss, Ansprechpartnerin bei Mepal für den Fachhandel im Interview auf Seite 34.
Die Kleinkindkollektion Mepal Mio, die im Frühjahr 2021 eingeführt wurde, ist nicht der erste Vorstoß, den das Unternehmen in diese Richtung unternommen hat. Bereits in den 80er-Jahren gab es eine Kindergeschirr-Kollektion. Im Lauf der Zeit entsprachen die Produkte aber nicht mehr den Kundenansprüchen, sie wurden eingestellt und das Design- und Entwicklungsteam ging für längere Zeit zurück ans Reißbrett.
Eine gänzlich neue Kollektion sollte entstehen, die den aktuellsten Erkenntnissen über die Bedürfnisse von Kleinkindern beim Essen und Trinken lernen entsprach. Die Produkte sollten zudem bruchfest, mikrowellentauglich und sowohl für daheim als auch für unterwegs geeignet sein. Ein Marktüberblick ergab, dass bisherige Angebote entweder technisch-basiert oder rein auf das Design fokussiert waren. Diese beiden Ansätze wollte das Entwicklungsteam ebenfalls in der neuen Kollektion vereinen. So entstanden Produktlösungen, die Kleinkinder auf jeder Stufe des Essen- und Trinkelernens begleiten. Für Kinder hat dies den Vorteil, dass sie die Becher und Teller selbst in die Hand nehmen und lernen können, was den Entwicklungsprozess für Eltern entspannter macht.
Nach der Konzeptionierung und vor dem Launch dieser durchdachten Kollektion im Frühjahr 2021 hat Mepal die Produkte ausführlichen Tests unterzogen und wenn nötig nachgebessert, um sicher sein zu können, dass sie auch den höchsten Ansprüchen genügen.
Auch für größere (Schul-)Kinder gab es schon Anfang der 80er-Jahre den ersten verschließbaren Schulbecher für Milch oder Joghurt von Mepal. Der Erfolg blieb jedoch aus, da der Becher aufgrund eines Konstruktionsfehlers beim Öffnen einen lauten Quietschton von sich gab. Hier hieß es also auch: zurück ans Reißbrett.


Die Campus Kollektion wurde im Lauf der Zeit immer wieder den Bedürfnissen kleiner Kunden angepasst

Die ikonische Walkcan erinnert an eine Feldflasche und ist ideal geeignet, um Saft oder Wasser zu transportieren

Als Ende der 80er immer mehr Frauen berufstätig wurden, blieben deren Kinder oft länger in der Schule und mussten entsprechend verpflegt werden. Für die Mepal Entwickler war klar, dass bei der neuen Kollektion die Kinder die Brotdosen und Becher vor allen Dingen selbstständig öffnen und schließen können mussten. Um das sicherzustellen, wurde der Entwurf des Bechers rund 20 Mal geändert und angepasst. Angeboten wurden die Brotdosen und Becher in den Farben Rot, Gelb, Grün und Blau, was sie einerseits kombinierbar machte, andererseits wurden sie so als zusammengehörig empfunden. Kreativer wurde es, als Mepal nach und nach Lizenzen erwarb und beliebte Figuren aus Kinderbüchern und -Serien abbildete. Den Namen der Serie haben sich die Designer bei einem Warenhaus abgeguckt: „Campus“ war dort eine gleichnamige Abteilung, in der Schulsachen angeboten wurden.
Die Campus-Serie fand in den Niederlanden immer stärkeren Absatz und schließlich erreichte ihr guter Ruf auch andere Länder in Europa.

In Deutschland wurde das Vertriebsunternehmen Dinico auf die Produkte aufmerksam und begann mit deren Verkauf mit stetig wachsendem Erfolg. Interessant ist die von Dinico initiierte Erweiterung des Produktportfolios in Form einer Trinkflasche, die an eine Feldflasche erinnert. Deren schmale Trinköffnung war besser geeignet, um Säfte oder Wasser zu konsumieren, was Kinder in Deutschland lieber mit in die Schule nahmen als Joghurt oder Milch.
Über die Jahre hat Mepal seine Designs immer wieder überarbeitet, um sie den Bedürfnissen von Schulkindern anzupassen. So wird das Sortiment heute von einer transparenten Trinkflasche mit 400 und 500 Milliliter Fassungsvermögen und innovativem Verschluss ergänzt, die dazu animieren soll, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Ganz neu ist auch die Thermosflasche Flip-up, die kalte Getränke bis zu zwölf Stunden kalt und warme Getränke bis zu neun Stunden warm hält. Besonders beliebt ist die aktuelle Kollektion aufgrund der verschiedenen Designs. Sie ist mit Lizenz-Motiven wie zum Beispiel Paw Patrol oder Frozen verfügbar. Wie immer einfach absolut zeitgemäß und doch zeitlos und modern.

mepal.com/de

Form und Funktion bilden bei allen Mepal-Produkten eine untrennbare Einheit

Moderner POS

Mepal unterstützt ab sofort seine Handelspartner in Deutschland, Österreich und Luxemburg mit einem komplett neuen, modularen Shop-in-Shop-System. So werden die Produkte ins rechte Licht gerückt und sorgen für ein positives Shoppingerlebnis bei den Kunden, erläutert Martina Höss von Mepal im Interview.

Frau Höss, woher kam der Impuls, das erste Mepal Shop-in-Shop-System zu entwickeln?
Der Impuls kam von Mepal selbst. Ziel war die Wiedererkennung der Marke am PoS sowie dessen Etablierung. Zudem wollten wir optimale Möbel für unsere Produkte schaffen, um diese wirkungsvoll in Szene zu setzen.

Sie bieten Ihren Handelspartnern in einer Zeit, in der digitales Shoppen immer beliebter wird, ein sehr attraktives Shop-in-Shop-System an. Wieso ist es aus Ihrer Sicht wichtig, den stationären Handel weiterhin ansprechend zu gestalten? Wäre es aus Unternehmenssicht nicht viel einfacher und kostengünstiger, sich auf den eigenen Online-Shop zu fokussieren?
Für Mepal ist und bleibt der stationäre Handel essenziell und strategisch wichtig. Die Kunden wollen „Shoppingerlebnisse“, immer wieder Neues erleben. Dazu brauchen wir den stationären Handel. Gerade die langen Schließungen während des Lockdowns haben das wieder gezeigt. Natürlich wäre es kostengünstiger, sich auf das reine Online-Geschäft zu konzentrieren – aber unser Fokus liegt anders. Wir sind „multichannel“ unterwegs!

Was macht dieses System besonders attraktiv?
Die Möbel sind von den Maßen her optimal auf unsere Produkte der einzelnen Kategorien (Aufbewahren, To-Go, Kinder) abgestimmt. Durch Rückwände, Mittelraumgondeln und Permanentdisplays können wir die unterschiedlichsten Flächen gestalten.

Dieses Shop-in-Shop-System soll der Startschuss für eine Vielzahl weiterer Projekte sein, die Mepal in Deutschland, Österreich und Luxemburg plant. Was für Projekte sind das und in welchen Zeiträumen sollen diese umgesetzt werden?
Grundsätzlich kommt unser SIS in den Bereichen Fach- und Möbelhandel sowie Warenhaus in Frage. In diesen Vertriebsschienen wollen wir künftig mit unseren Shops sichtbar sein beziehungsweise sichtbarer werden.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Zukunft des stationären Handels grundsätzlich aus? Was ist notwendig vonseiten der Hersteller und der Händler? Wie will Mepal diese Zukunft mitgestalten?
Der stationäre Handel wird auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Elementar dabei ist jedoch, ein ansprechendes Einkaufserlebnis zu bieten und dabei Marken entsprechend auch am PoS zu präsentieren – und ein Stück weit zu inszenieren. Durch den einheitlichen Markenauftritt werden Synergien geschaffen, die sich auch am PoS wiederfinden. Kunden wird somit gleich signalisiert: „Hier bist Du richtig“.

Martina Höss ist Ansprechpartnerin für den Fachhandel bei Mepal, auch im Bereich sämtlicher Artikel der Mepal Sortimente „Für Kinder“

Thomas Klemenz, Vertriebsleiter Deutschland

Mepal-Showroom in Meschede

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