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Kommentar

Der Preis ist heiß

… zumindest sind Preise derzeit in der Spielwarenbranche ein absolut heißes Thema. Preise für Rohstoffe, für Mikrochips und für Transportkosten . Bleibt die bange Frage: Wird es im zweiten Quartal Preiserhöhungen geben?

Ja, wird es, denn die nahezu explodierenden Kosten für den Einkauf von Rohstoffen wie Gummi, Kunststoffgranulat, Holz und IC-Chips können die Unternehmen auf lange Sicht nicht auffangen. 

Auch der Verband der Deutschen Spielwarenindustrie, DVSI, widmete sich dem Thema an der Seite des Makroökonomen Dr. Klaus Wohlrabe vom Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung, kurz Ifo, an der Universität München. Laut Wohlrabe – und das verifiziert ein Rundruf in der Spielwarenindustrie – hat die Preisentwicklung neue Höchststände erreicht. Ebenso die Inflationsrate, seit April 2021 mit zwei Prozent auf dem Höchststand seit zwei Jahren. Damit erhöhte sich die Inflationsrate den vierten Monat in Folge. Was das für die Wirtschaft, die Spielwarenbranche im Besonderen und die Konsumhaltung im Allgemeinen bedeutet, kann man sich an fünf Fingern abzählen. 

Da ist die Rede von einer Rohstoffmafia, die Preise künstlich in die Höhe treibt, von Lieferengpässen, die entstehen, weil voll beladene Container über Nacht wieder entladen werden, wenn der Preis überboten wurde. Für Schub im Containergeschäft sorgt die hohe Nachfrage, die auf ein begrenztes Angebot an Frachtraum trifft. Es ist ein Engpassproblem, das gnadenlos ausgenutzt wird. Die Preise werden von Kunden bestimmt, die um eine begrenzte Ressource kämpfen – Container. Teilweise werden die Frachtpreise versechsfacht. Krisensitzungen in den Unternehmen der Spielwarenbranche sind an der Tagesordnung. 

Wer auf den Einsatz von IC-Chips angewiesen ist, hat ebenso das Nachsehen. Diese Ware wird derzeit gehandelt wie Gold, ist kaum zu bekommen. Es gibt Tagespreise, die gnadenlos gegambelt werden. Friß oder stirb, heisst das Motto. An dieser prekären Situation ist nicht zuletzt die mit der Pandemie veränderte Arbeitssituation schuld. Arbeitnehmer, die von heute auf morgen ins Homeoffice geschickt wurden, die Kopfhörer benötigten und anderes technische Equipment, sind, wenn man so will, mit schuld an der IC-Chip-Verknappung. 

Die Pandemie hat vieles beschleunigt und zeigt schonungslos auf, wo „Sand im Getriebe“ ist. Seit Beginn von Corona ist beispielsweise Nachhaltigkeit mehr denn je in aller Munde. Die Investitionen in grüne Technologien sorgen aber für ständig steigende Holzpreise. Ein Teufelskreis wie es scheint. Und da tröstet es nicht, dass auch die Discounter von der Situation betroffen sind. Man kann unschwer die Tendenz erkennen, dass Aldi, Lidl & Co ihre Waren zusehends zu Normalpreisen verkaufen. 

Die Materialknappheit wird uns noch lange in Atem halten. Sie erreicht laut ifo Institut mit 45 Prozent derzeit einen historischen Rekord im verarbeitenden Gewerbe, während die befragten Unternehmen ihre Geschäftslage sehr gut einschätzten und die Kapazitätsauslastung über dem Durchschnitt läge. „Der Nachfrageschub aus Amerika und Asien“, so Wohlrabe, „dazu die gigantischen Konjunkturprogramme in den USA haben dazu geführt, dass die Rohstoffpreise nahezu explodiert sind.“ 

Nun muss man sagen, dass die Materialkrise und der Mangel an Vorprodukten die Industrie in einem „günstigen Moment“ erwischt, weil die Nachfrage höher ist als das Angebot. Die Rohstoffknappheit kostet laut Expertenberechnungen aber auch 0,3 Prozentpunkte Wachstum. Eine monokausale Erklärung für die Konjunktur- und Preisentwicklung sei dennoch schwierig, so Wohlrabe weiter, weil diverse Faktoren hier zusammenkämen: hohe internationale Nachfrage, Zurückhaltung bei Bestellungen im Krisenjahr 2020, Logistikprobleme, Wechselwirkung von Branchen, selbst „höhere Gewalt“ würde eine Rolle spielen.

Die komplexe Gemengelage wirkt sich laut ifo Institut auch auf die Preise aus. 33 Prozent der befragten Unternehmen erwarten steigende und fast 80 Prozent der Konsumenten rechnen mit „geringfügig“ oder „deutlich steigenden“ Preisen. Die Spielwarenindustrie wird nicht verschont bleiben. Die Preise werden wahrscheinlich spätestens im vierten Quartal an die Konsumenten weitergegeben. Ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft, dem ersten vielleicht, das der gebeutelte Spielwarenhandel nach Beginn der Pandemie Anfang 2020 wieder „mitnehmen“ darf. Die Tatsache, dass sich während der Kontakt- und damit auch Konsumbeschränkungen auch die Sparquote der Deutschen verdoppelt hat, mag ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont sein, wer jedoch über Monate in Kurzarbeit war, wird erst einmal sehr vorsichtig mit seinem Budget umgehen. 

 „Wir haben aufgestauten Konsum“, beruhigt Wohlrabe. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Gerade jetzt ist abzusehen, dass die Deutschen erst einmal ausgiebig reisen wollen. Restaurantbesuche und Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Es bleibt also abzuwarten, wo das gebunkerte Geld wirklich hinfließt. 

 


Sibylle Dorndorf 

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