www.toys-kids.de
Produkt Preview >>

Kommentar

Die Tedi-Taktik

Sortimentsverschiebungen beobachtet man während der Corona-Pandemie immer wieder. Was dabei erlaubt ist und was nicht und wohin das letztendlich führt, beschreibt Sibylle Dorndorf treffend in ihrem Kommentar.

TOYS Chefredakteurin Sibylle Dorndorf

Wer kennt sie nicht, die Salamitaktik, mit der man große Ziele ganz unauffällig und in kleinen Schritten erreichen kann? Dieser Strategie folgend wiesen die Entscheider beim Non-Food-Discounter Tedi ihre vom Lockdown betroffenen Filialien an, in einigen Bundesländern am 1. März die Türen zu öffnen. „Die Baumarktöffnungen haben uns geholfen“, ließ Aline Grund, Pressesprecherin von Tedi Deutschland, in den Medien fröhlich verlauten. Und lehnt sich derart inspiriert gleich ganz weit aus dem Fenster: „Unser Sortiment liegt mit Baumarktartikeln über der 50 Prozent-Grenze.“ Das ist der Hammer! Im Web findet man folgendes Sortiments-Profil von Tedi: „Alles für Ihre Dekoration, Party, Schreibwaren und vieles mehr ...“ Blöd, dass das Internet aber auch gar nichts vergisst. Aber wen stört das schon? Flugs am Sortiment „geschraubt“ und schon ist man systemrelevant. So richtig hat‘s dann doch nicht geklappt mit der Tedi-Taktik. Schon am 2. März ließen Polizei, Ordnungsämter und die Führungsgruppe Katastrophenschutz die Discounter-Filialen wieder schließen. Die Begründung: Im Geschäft seien vorwiegend nicht erlaubte Artikel wie Dekoartikel, Spielwaren oder Kleidung verkauft worden. Ein Glück, dass die Obrigkeit so schnell reagiert hat! Da wären doch wirklich Waren, die auf dem Corona-Index stehen, über die Theken gegangen! Ja, auf unseren Staat können wir uns verlassen. „Die Einhaltung dieser Regelung wurde vor Ort nachvollzogen“, heißt es vonseiten der Landratsämter. Die Schließung der Filialen dauere so lange an, bis durch geeignete Maßnahmen sichergestellt sei, dass nur zulässiges Sortiment angeboten werde. Meine Güte, mir war bis jetzt wirklich nicht klar, wie gefährlich Spielwaren eigentlich sind. Und Dekoartikel erst, die in Gestalt von flugunfähigen Putten und dümmlich grinsenden Osterhasen die Republik überschwemmen! Die Buddhas allerdings, die es bei Tedi in sämtlichen Darreichungsformen gibt, stufe ich persönlich als systemrelevant ein. Könnten sie doch an allerhöchster Stelle um Erleuchtung für unsere Politiker bitten. In Berlin erwerben sich nämlich gerade einige Herrschaften ein ganz mieses Karma. Aber den Göttern sei dank, wird alles irgendwann gerächt, daran glaube ich fest. Und dann sehe ich sie vor mir, die Damen und Herren im feinen Zwirn, verzweifelt bei Tedi durch die billigen Schütten irrend. Ja, liebe Politiker*innen, da gibt‘s kein Prada und Escada, nicht mal eine fiese Kopie davon. Kein nettes Designerväschen und derlei Chi-Chi, da gibt‘s nur billig. Und das habt ihr euch redlich verdient, daran habt ihr monatelang gearbeitet. Jetzt sind die schönen Geschäfte, in denen ihr vor Corona so gern euer Geld gelassen habt, endgültig pleite.

Sibylle Dorndorf

Diesen Artikel per E-Mail empfehlen

Zur Übersicht "Industrie & Handel"