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Social Media

Kompetenz in Social Media

Was Sie zu Kindern, Eltern und Social Media aktuell wissen müssen, liefert eine Studie von KB&B, dem Experten für Kinder- und Familienmarketing. Derzeit ist TikTok die große Unbekannte. Die Debatte um TikTok zu den Punkten Daten- und Kinderschutz wird breit geführt, jedoch kennen nur rund 35 Prozent der befragten Eltern die App überhaupt. Die Platzhirsche sind immer noch Facebook, YouTube und Instagram. Sibylle Dorndorf sprach mit Rolf Kosakowski über Medienkompetenz und die Trends bei Social Media.

Herr Kosakowski, während für Kinder Facebook fast schon uncool ist – da tummeln sich zu viele aus der Generation Ü50 – ist das für die meisten Eltern immer noch der bekannteste Kanal, oder liege ich mit dieser Annahme falsch?
Eine Social-Media-Formel der letzten Jahre ist: Auf den Plattformen, wo zu viele Eltern aktiv sind, verschwinden die Kinder. Das liegt auch daran, dass Social Media gewissermaßen auch eine Spielwiese für die kindliche Entwicklungspsychologie ist – Kinder wollen sich eigene Felder erobern.

Die Bandbreite der Social-Media-Kanäle ist mittlerweile ein Buch mit sieben Siegeln, die Gewichtungen haben sich gravierend verschoben, vor allem für Menschen jenseits der 30. Kommt Ihre Studie zum gleichen Ergebnis?
Ich würde Social Media nicht als ein Buch mit sieben Siegeln bezeichnen. Aber die Branche befindet sich natürlich in einem stetigen Wandlungsprozess:

Es werden auch in Zukunft immer neue Plattformen und Funktionen hinzukommen – und entsprechend wird sich die Nutzung von einer Plattform auf die nächste verlagern. „Platzhirsche“ bleiben – zumindest vorerst – weiterhin Facebook und Instagram, vielleicht noch ein bisschen Snapchat, gleichzeitig wird es „Rising Stars“ wie Twitch oder TikTok immer wieder (und sicher auch immer öfter) geben.

Welche Kanäle sind denn bei den Kids angesagt und welche bei den jungen Eltern? Letztere sind ja auch sehr Social-Media-affin, da sollten doch die Präferenzen ähnlich liegen?
Jeder Kanal hat seinen eigenen Schwerpunkt und sich somit für bestimmte Themen etabliert. Die Nutzung der Kanäle geschieht also kaum vorsätzlich, sondern vielmehr intuitiv getrieben und situationsbedingt: Möchte man – egal, ob Eltern oder Kinder – beispielsweise über die neusten News informiert sein, ist vielleicht Twitter die Social-Media-Plattform der Wahl. Möchte man beispielsweise über ein bestimmtes Thema unterrichtet oder unterhalten werden, nutzt man YouTube. Und wer unterhalten werden möchte oder selbst andere unterhalten mag, nutzt TikTok.

Nach welchen Gesichtspunkten wählen Kinder ihren Favorite unter den Social-Media-Kanälen?
Kinder suchen sich ihre Plattformen vor allem danach aus, wo ihre Freunde und somit ihre sogenannte Peergroup aktiv ist. Ein zweites ausschlaggebendes Kriterium ist, welche Kanäle die Eltern nutzen – diese Plattformen meiden Kinder wie eingangs erwähnt meist.

Wie häufig wechselt diese Affinität bei den Kids?
Sekündlich! Kinder sind sehr intuitiv in der Nutzung der verschiedenen Kanäle. Social Media ist keine bewusste Auswahl, sondern ein integraler Bestandteil ihres Alltags. Der Übergang zwischen den Plattformen ist situativ und fließend.

Wie und wozu nutzen Kinder Social Media und wodurch unterscheiden sich ihre User-Gewohnheiten von denen ihrer Eltern?
Der größte Unterschied liegt darin, dass die Social-Media-Nutzung durch Kinder viel natürlicher und intuitiver ist, als die der Eltern. Je älter man ist, desto mehr muss man sich in die verschiedenen Plattformen eindenken und macht sich mehr Gedanken um die Nutzung. Für die Kinder ist Social Media ein fester Lebensbestandteil, in den sie „zwangsläufig“ hineinwachsen.

Rolf Kosakowski ist Gründer und Geschäftsführer von KB&B, einer der führenden Spezialagenturen für Kinder- und Familienmarketing in Deutschland

Deutschland gehört nicht unbedingt zu den digitalen Überfliegern. Das zeigt sich jetzt während der Corona-Krise. Unterscheiden sich die Nutzergewohnheiten und Vorlieben deutscher Kinder und Eltern, was Social Media angeht, sehr von denen in anderen europäischen Ländern oder international betrachtet?
Das sehe ich etwas anders: Deutschland hat kein Defizit im Bereich der Social-Media-Nutzung, auch nicht in der Corona-Zeit. Es mangelt Deutschland eher an einem flächendeckenden Zugang zur „Digtialen Welt“ zum Beispiel durch Glasfaserausbau oder 5G. Aber natürlich haben andere Länder teils auch abweichende Nutzungsgewohnheiten für bestimmte Kanäle – die eigentlichen Gründe für die Social-Media-Nutzung sind aber vergleichbar.

Kommen wir zum Thema Sicherheit: Gerade in Bezug auf Kinder ist die Nutzung von Social Media-Kanälen ein heißes Eisen für viele Eltern. Nach welchen Kriterien beurteilen Eltern die „Sicherheit“ eines Anbieters?
Das ursprüngliche Problem, das zu einem „Sicherheitsrisiko“ – wenn man es denn so nennen will – führen kann, sind nicht die Social-Media-Plattformen an sich, sondern vielmehr die Wissenslücken seitens der Eltern bezüglich der Social-Media-Nutzung ihrer Kinder. Ein simpler Vergleich zum Thema Verkehrserziehung: Wächst man in einem Dorf auf, wo kein Auto fährt, wird man nur schwer mit den Verkehrsregeln in einer Großstadt zurechtkommen. Heißt also: Weiß man als Elternteil zu wenig über Social Media, kann man Kindern in diesem Bereich auch kein wertvolles Wissen an die Hand geben, was sie zur sicheren Verwendung von Social Media jedoch benötigen. Es ist daher unerlässlich, dass Eltern die verschiedenen Plattformen und eventuellen Risiken verstehen. Denn: Medienkompetenz fängt bei den Eltern an!

Was sind für Sie als Kommunikationsexperte die besten und sichersten Social-Media-Kanäle und warum?
Wie sicher oder unsicher der Umgang von Kindern mit Social-Media-Kanälen ist, hängt vor allem davon ab, wie umfassend sie durch ihre Eltern aufgeklärt wurden. Unerlässlich in der Social-Media-Erziehung ist eine grundlegende Diskussion mit den eigenen Kindern zu übergreifenden Social-Media-Themen. Zum Beispiel: Was sind Botschaften und Inhalte, die das Kind ansprechen? Was möchten andere (vielleicht auch fremde) Menschen vom Kind, und kann es sein, dass diese an gewissen Stellen auch etwas Böses möchten? Ebenso sind Unternehmen, die Social-Media-Kanäle betreiben, in der Pflicht. Denn jedes Unternehmen, das einen Kanal für Kinder betreut, muss sich auch seiner Verantwortung bewusst sein und 24/7 bereit sein, zu intervenieren.

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