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Branche

Corona – Lernprozess oder Chance?

Peter W. Gygax stellt fest: Es ist beides. Und viele werden ihm beipflichten. Corona war und ist eine Lernerfahrung. Für den Einzelnen, für den Unternehmer, den Schüler, den ...

Peter W. Gygax, CEO Carletto Gruppe

Eines weiß ich mit dem heutigem Wissenstand gewiß: Unsere Branche ist krisenresistent wie keine andere. Wer mir im Frühjahr 2020 zu Beginn der Pandemie gesagt hätte, dass die Spielwaren-Branche so gut aus 2020 herausgehen würde, dem hätte ich nicht geglaubt. Gerade die Zeit der Lockdowns hat gezeigt, wie wichtig und relevant Spielwaren jeglicher Couleur für Menschen jeden Alters sind. Viele haben sich wieder auf alte Hobbys besonnen, viele haben neue begonnen, Familienzeit wurde noch wichtiger als früher, viele Eltern waren zuhause und haben sich noch bewusster mit ihren Kindern beschäftigt. Kinder wussten ja schon immer, dass Spielen entspannt, wir Erwachsenen haben das für uns wiederentdeckt. Für einige in unserer Branche wurde der Kidult Trend zum Umsatzsegen, das Kind im Manne als künftige Zielgruppe in unserer Branche!
Um unsere Lernerfahrung auf einen Nenner zu bringen: Wir hatten trotz der Corona-Pandemie ein gutes Jahr, und ich glaube, das können auch andere Branchenteilnehmer so unterschreiben. Für Carletto Schweiz war 2020 sogar eines der erfolgreichsten Jahre seit Bestehen. Das mag seltsam klingen, aber es hat sich gezeigt, dass die Schweizer Kunden in der Pandemie Spiele und Puzzles sowie traditionelle Spielwaren mehr denn je gekauft haben. Als Glücksfall erwies sich natürlich auch, dass wir mit unserem eigenen Logistikzentrum in der Schweiz ein Standbein haben, das wir gerade jetzt auch vielen anderen Firmen aus ganz anderen Branchen zur Verfügung stellen konnten. Wir liefern maßgeschneiderte Logistik für Indoor-Fitnessgeräte und bewusste Ernährung, beides war während den Lockdowns sehr gefragt. Unser Team arbeitet ohne Unterbrechung in zwei Arbeitsschichten, wir mussten zusätzliches Personal einstellen und konnten den gesamten Markt innerhalb von 48 Stunden bedienen. Zu Beginn der Pandemie haben wir die Lager hochgefahren, die Reichweiten erhöht und damit die Verfügbarkeit bestmöglich sichergestellt.
In Deutschland war 2020 nicht so einfach für Carletto. Wir mussten das Jahr 2019 mit dem Verlust von Ty erst einmal verdauen, wobei ich aus heutiger Perspektive jeden Tag dankbar bin, dass wir Ty nicht mehr vertreten. Carletto hat nach dem Verlust von Ty viel gewonnen: Unabhängigkei,. Wertschätzung, Kreativität und den Weg zurück zu unseren Wurzeln und Werten.

Im dritten Quartal haben wir uns aber berappelt und aufgeholt. Mit Game Factory, Educa-Puzzles, Plus Plus und Tender Leaf Holzspielzeug konnten wir punkten, diese Marken waren und sind sehr stark nachgefragt. Unsere Llorens-Puppen waren vor allem zu Weihnachten sehr beliebt, wogegen Plüsch verlor. Alles, was nicht eingepackt ist, was viele Menschen berühren, blieb regaltreu liegen.
Das Weihnachtsgeschäft war eine Schluss-Rallye wie wir sie noch nie erlebt haben! Vor den Lockdowns und danach stürmten in den betroffenen Regionen die Konsument*innen die Läden. E-Commerce ging durch die Decke und immer waren die Warenverfügbarkeit und die passende Logistik die Währungen des Erfolges. Viele unserer stationären Kunden waren in der Not äußerst kreativ, und wir konnten sie dabei unterstützen.
In der Zeit der Kontaktbeschränkungen, des Wegfalls der Veranstaltungen und Messen haben wir uns viel mit uns selbst beschäftigt. Die Nutzung von Zoom, Skype, Google, Teams war zunächst befremdlich, aber wir lernten, dass nicht jedes Meeting eine Geschäftsreise wert ist. Trotzdem haben wir die Welt nicht neu erfinden müssen, nein, wir haben uns den fundamentalen Dingen gewidmet und Fragen gestellt wie: Wie treten wir während der Kontaktbeschränkungen an unsere Kunden heran? Welche Daten und Formate nutzen unserer Kunden in der Zukunft? Sind Messen noch zeitgemäß und effizient? Ist die Usability unseres Kataloges und Newsletters verbesserungswürdig? Wie können wir unsere B2B-Plattform verbessern? Wir haben uns Themenkreise gesetzt und diese abgearbeitet. Viele Branchenteilnehmer beispielsweise bauten 2020 in Rekordzeit einen Webshop. Aber wie sieht es denn mit den Basics aus? Mit der Qualität der Daten beispielsweise? Da gibt es einen erheblichen Aufholbedarf für die Branche. Digital-Basics sind der Schlüssel zum Erfolg!
Im dritten und vierten Quartal waren unsere Aufgaben: Wie präsentiere ich Produkte auf Zoom? Gibt es andere Kanäle? Wie mache ich ein cooles unboxing Video? Wie und wo treffe ich unsere Kunden? Wir haben den Game Factory Lunch eingeführt und viele neue digitale Formate ausprobiert.
Wenn ich alles Revue passieren lasse, dann muss ich ganz klar sagen, ich sehe heute Corona als Chance. Wir haben in 2020 so viel Wesentliches gelernt, ich möchte diese Erkenntnisse und Erfahrungen nicht missen. Uns, mich persönlich nicht ausgenommen, hat die Zeit rund um Corona weitergebracht. Auf ein spannendes 2021!

Peter W.Gygax

Re-Gnose: Zurück in die Zukunft

Fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie sinnen wir immer noch über die Bedeutung des Begriffs Re-Gnose nach, den Trendforscher Matthias Horx gleich zu Beginn von Corona in den Ring warf. Wir nähern uns dem Thema auf unsere Weise.

Das Coronavirus hat uns voll im Griff – und das nun schon fast ein Jahr lang. Die Folgen für Mensch und Wirtschaft sind nicht absehbar. Ökonomen warnen vor der drohenden Pleitewelle, die ganz sicher in diesem Jahr kommen wird. Psychologen und Pädagogen warnen vor den Spätfolgen, unter denen vor allem Kinder und Jugendliche leiden werden. Die Isolation, die Beschränkungen unseres sozialen Lebens, haben vor allem sie hart getroffen.
Was macht Corona mit uns? Diese Frage kann niemand heute mit Sicherheit und in Anbetracht ihrer Tragweite in Gänze beantworten. Das, was wir heute spüren, mitten im dynamischen Prozess der Pandemie, der zweiten oder dritten „Welle“, ist Machtlosigkeit, Existenz-Angst, Sorge vor einer ungewissen Zukunft, aber eben auch die Gewissheit, dass Corona vorübergehen wird. Die Frage ist: Wie wird die Welt dann aussehen? Werden wir wirklich in der Lage sein, die positiven Erkenntnisse, die wir in der Krise gewonnen haben, auch in den Alltag und den „Normalbetrieb“ der Welt mitzunehmen?
Im Sommer deutete sich an, dass wir bereit sind, nur allzu schnell zu vergessen. Das macht mit Recht betroffen und nachdenklich. Aber, und so kann man es auch betrachten, es macht Mut. Menschen verfügen über eine extrem hohe Fähigkeit, Dinge, die belastend auf sie einwirken, zu vergessen, zu verdrängen. Diese Resilienz kann positiv, aber auch negativ sein.
Wir haben Branchenteilnehmer, von denen wir wissen, dass sie die Geschehnisse und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, auf die Unternehmen, die Familien, die Generationen im Miteinander, kritisch beurteilen, gefragt, wie sie die Corona-Zeit erleben und wie sich ihr Alltag privat und beruflich verändert hat. Die Antworten machen Mut. Dass die Spielwarenbranche einen ganz erheblichen Teil zur seelischen und körperlichen Gesundheit der Menschen jeden Alters in der Krise beigetragen hat und und noch beiträgt, ist heute klar. Das belegen die Zahlen. Blicken wir jetzt also ein Stück weit in die Zukunft, dann ahnen wir, Re-Gnose war schon immer ein Teil unseres Lebens.

Ralph Steinert, Leitung Marketing Nici GmbH

Corona hat auch uns „auf dem falschen Fuß“ erwischt. Wir hatten vor Corona sehr ehrgeizige Ziele für 2020, und das Jahr hat sehr gut begonnen für uns, vor allem auch wegen der Glubschis, aber Corona hat sich deutlich negativ auf unser Marktsegment ausgewirkt. Wenn man die NPD-Zahlen ansieht, schlagen wir uns dank der Glubschis deutlich besser als unsere Wettbewerber, aber die Rückgänge im stationären Geschäft kann das Onlinegeschäft nicht kompensieren.
Dass die Messe im Januar nicht stattfindet unterstützen wir. Wir freuen uns jedes Jahr auf Nürnberg aber in der aktuellen Situation macht die Messe keinen Sinn. Wir hätten sicher einen Weg gefunden, einen schönen aber kleineren Stand auf die Beine zu stellen, wir sind aber sehr froh, dass der Januartermin abgesagt wurde. Unter dem Strich hätte der Termin im Januar mehr Probleme bereitet als Nutzen gestiftet.

Ralph Steinert,
Leitung Marketing Nici GmbH

Hermann Hutter führt neben seinen Aktivitäten als Spieleverlag mit Huch& friends/Hutter Trade acht Einzelhandelsgeschäfte mit über 100 Mitarbeitern. Außerdem ist er Vorsitzender des Branchenverbandes Spieleverlage e.V. und Vorstand im HDE-Handelsverband Deutschland.

Corona – eine spielerische Erfahrung

In der Corona-Krise gibt es Gewinner und Verlierer. Spiele haben dazu beigetragen, die Menschen über die Zeit der Kontaktbeschränkungen zu tragen, und sie tun es noch.

Jetzt sind wir wieder Opfer des Lockdowns ... Erst nach sechs langen Wochen durften die Geschäfte in Deutschland im April wieder öffnen, und jetzt im Januar ist alles wieder unübersichtlich.
Eine harte Zeit hinter uns und eine immer noch schwierige Zeit vor uns. Anfang März war nicht absehbar, was auf uns zukommt. In über 112 Jahren unserer Hutter-Geschichte waren unsere Läden immer geöffnet. Täglich durch die Verkaufsbereiche zu gehen und keinen Kunden, nur noch wenige Mitarbeiter zu sehen, erzeugt ein seltsames Gefühl. Alles muss neu organisiert werden: Aufträge und Lieferungen umstellen. Die Heizung reduzieren, das Printmarketing stoppen, Gebäudereinigung strecken und die meisten Mitarbeiter in die „Kurzarbeit“, ein wichtiges Instrument in unserer deutschen Wirtschaft, stecken.
Das Personal ist auch verunsichert und irritiert, und es braucht viele Gespräche, um sie zu motivieren und um eine einigermaßen gute Laune in diesem „schlechten Film“ zu behalten. Die Büros wurden leer und wir lernten schnell, wie man ein Unternehmen mit Home-Office und Videokonferenzen organisiert. Einige unserer Mitarbeiter begannen freiwillig einige Aktivitäten wie Aufräumen, Malen, Reinigen ... einige andere entdeckten ihre Talente in den sozialen Medien. Viele Kunden schätzen wie nie zuvor unsere Aktivitäten und bestellen per Telefon und E-Mail, unsere Internet-Shops können mit ihrer guten Entwicklung etwas kompensieren.
Während unsere Einzelhandelsstandorte geschlossen sind, arbeitet unser Spieleverlag auf Hochtouren. Alle Neuheiten kommen meist planmäßig auf den Markt und die Nachfrage nach Spielen und Puzzles bleibt weiter hoch. Gerade in der Krise wird wie wild gespielt und gepuzzelt. Ob als Familie, mit den wenigen erlaubten Freunden oder alleine – Spiele sind ideal als Beschäftigung und geben oft auch ein gewisses Freiheitsgefühl, das vielen im Lockdown etwas abhandenkommt. Mit unserem Spiel „Captain Wonder Cape“, in dem mit Toilettenpapierrollen gespielt wird, oder „Make Fake News Great Again“ haben wir Titel herausgebracht, die bestens zur Krise passen.

Man ist im Spagat zwischen persönlichen Einschränkungen und gleichzeitig vielen Herausforderungen. Zuerst dachte ich, dass ich viel Zeit für all die Dinge haben werde, die immer unter anderen Aktivitäten leiden. Normalerweise bin ich drei bis vier Tage in der Woche unterwegs, besuche Kunden, Lieferanten, Messen und Konferenzen. Aber jetzt an einem Ort quasi fixiert zu werden, ist eine neue Erfahrung. Nach sechs Wochen fährt man erst wieder zur Tankstelle ... unglaublich. Aber am Ende stellt man fest, dass man mehr arbeitet als vor der Krise.
In meiner Funktion als Vizepräsident des Handelsverband Deutschland (HDE) habe ich in der Regel alle paar Wochen Treffen, Veranstaltungen oder Gespräche. Nun musste unsere Organisation mit der Politik um Entschädigungen für die Einzelhändler kämpfen. Fast täglich verschicken wir Pressemitteilungen, haben Konferenzen mit den politischen Verantwortlichen und oft Anrufe bis spät in die Nacht. In engen Gesprächen haben wir die Politiker versucht zu überzeugen, welche Dinge verrückt sind und welche Hilfsmaßnahmen wir für unsere Mitglieder brauchen. Wir müssen viel Druck auf allen Ebenen aufbauen, so dass die Geschäfte so früh wie möglich wieder öffnen können und realistische Hygienepläne und Aktivitäten für die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern organisierbar sind, Zuschüsse kommen.
Hoffentlich bald werden wir sehen, wie schnell die Verbraucher zu ihren Gewohnheiten zurückkehren und in Geschäften nach schönen Dingen suchen. So viel Zeit zu Hause zu verbringen, schafft ein neues Lebensgefühl und es kann eine Chance für die Spielwarenbranche sein, dass die Menschen positive Erlebnisse beim Spielen und Puzzeln haben. Ich denke, dass diese Erfahrungen dazu führen, dass auch in Zukunft mehr als vor der Krise gespielt wird. Beispielsweise bietet unser Huch-Verlagsprogramm mit schönen Brettspielen und den Heye-Puzzle genau die Produkte, die den Menschen zu Hause viel Spaß und sinnvolle Beschäftigung bringen. Unser Team hat viele spannende Neuheiten in der Krise entwickelt, die auf gute Resonanz beim Handel und bei den Kunden stoßen.
Die Einschnitte der letzten Wochen gehen nun in eine neue Phase. Eine Phase, in der Masken ein sichtbares Zeichen für eine ungelöste Krise, geringe Konsummotivation und eine Wirtschaft sind, die ihre größten Verluste seit dem Zweiten Weltkrieg haben wird. Aber ich bin zuversichtlich, dass alle Menschen in Europa dies gemeinsam bewältigen werden, und wir insbesondere im Spielewarensektor wieder positivere Zeiten – hoffentlich bald – erleben können.

Hermann Hutter

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